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Texte von Serap Cileli





Inhaltsverzeichnis
Biographie von Serap Cileli
Aus dem Leben Serap Cilelis
Die Integration ist gescheitert
Daß du keine Schande bringst
Vergewaltigung und Sexualmord ist ein Tabuthema für Türken
50 verlorene Jahre: die Folgen einer fehlenden Integrationspolitik
Serap Cileli fordert mehr Mut von Deutschen
Serap Cileli zur Islam-Konferenz
Fethullah Gülen: Eine gefährliche Ideologie
Serap Cileli: Das hässliche Gesicht der „Religion des Friedens“

Weitere Texte von und über Serap Cileli


Biographie von Serap Cileli     Top

Serap CileliSerap Cileli (geboren am 29. Januar 1966 in Mersin, Türkei) ist eine deutsche Schriftstellerin und Menschenrechtlerin türkisch-alevitischer Abstammung. Sie ist eine der bekanntesten Kämpferinnen gegen die Tolerierung von Menschenrechtsverletzungen bei muslimisch-orthodoxen Einwanderern.

Leben: In ihrer Autobiografie „Wir sind Eure Töchter, nicht Eure Ehre“ (Ersterscheinung 1999) beschreibt Serap Çileli ihre Lebensgeschichte. Sie ist ein sogenanntes Gastarbeiterkind der ersten Generation. Ende der 1960er-Jahre kamen ihre Eltern nach Deutschland. Im Jahr 1974 holten ihre Eltern Serap Çileli und ihre fünf Geschwister zu sich nach Deutschland, wo sie ihre Schulzeit beendete. Mit zwölf Jahren (1978) wurde sie zwangsverlobt mit einem ihr unbekannten Mann, den ihre Eltern ausgesucht hatten. Nur durch einen Selbstmordversuch entging sie zunächst diesem Schicksal. Mit 15 Jahren verlobten ihre Eltern sie erneut mit einem 10 Jahre älteren Mann und brachten sie in die Türkei. Erst nach sieben Jahren erreichte sie die Einwilligung der Eltern zu einer Scheidung der ungewollten und unglücklichen Ehe. Seitdem war sie unter der ständigen Kontrolle der Eltern, die bereits 1992 eine erneute Zwangsverlobung planten. Zu diesem Zeitpunkt traf Serap Çileli die Entscheidung, aus der elterlichen Fremdbestimmung auszubrechen und floh mit ihren zwei Kindern in ein Frauenhaus. Heute lebt Serap Çileli mit dem Mann ihrer Wahl und ihren Kindern in Deutschland.
Engagement: Seit über 10 Jahren setzt sie sich für die Rechte der muslimischen Frauen ein. Mit ihrer Aufklärungsarbeit kämpft Serap Çileli um die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit für dieses Problem. Heute ist sie zu einer gefragten Expertin und Ratgeberin für andere türkische Frauen in Not geworden. Ihr Tätigkeitsschwerpunkt liegt in der Aufklärung über sogenannte Ehrenmorde und Zwangsheiraten. Nach eigenen Angaben betreute Serap Çileli über 300 Mädchen und Jungen, die von häuslicher Gewalt, Zwangsheirat und Ehrenmord bedroht waren:
„Über 300 Frauen und Mädchen (90 % Türkinnen der 3. Generation) im Alter von zwölf bis 49 Jahren und 28 junge türkische Männer im Alter von 16 bis 48 Jahren. Das Durchschnittsalter der Frauen liegt zwischen 16 und 21 Jahren. Die Mehrzahl der von mir betreuten Fälle berührt die Themen Zwangsheirat und »Wiederherstellung der Jungfräulichkeit«, aber es wendeten sich auch etwa 40 Inzestopfer an mich. Mehr als die Hälfte der Hilfesuchenden hatten bereits einmal einen Suizidversuch unternommen.“ – Serap Çileli, 2008 

Für ihr langjähriges und außergewöhnliches Engagement wurde Serap Çileli 2005 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet und zählt damit zu den jüngsten Trägerinnen dieser Ehrung in der deutschen Geschichte.

peri – Verein für Menschenrechte und Integration e.V. hat seinen Ursprung in der Arbeit der Schriftstellerin Serap Çileli. Unter Ihrer Schirmherrschaft haben sich Frauen und Männer zusammengefunden, die sich für die Opfer der muslimisch-orthodoxen Ideologie einsetzen. Am 1. Februar 2008 wurde peri e.V. beim Vereinsregister des Amtsgerichtes Darmstadt eingetragen. Die Hauptarbeit des Vereins liegt in der Förderung von Integration und dem Schutz der Menschenrechte. Der Verein organisiert und leistet unter anderem auch Fluchthilfe und kümmert sich um die Opfer häuslicher Gewalt in Migrationsfamilien, sowie um Fälle, in denen die Jungen und Mädchen von Zwangsheirat und/oder Ehrenmord bedroht werden.

Kritik: Durch ihre Arbeit wird Serap Çileli mit heftiger Kritik aus der muslimischen Gesellschaft konfrontiert. Fast täglich erreichen sie Beschimpfungen von muslimischen Mitbürgern, die sie unter anderem als „Verräterin“ und „Nestbeschmutzerin“ bezeichnen. Besonders die auflagenstärksten türkischen Zeitungen kritisierten Frauenrechtlerinnen wie Serap Çileli und Necla Kelek.

Hürriyet-Kampagne 2005: 2005 veröffentlichte die türkische Tageszeitung Hürriyet einen Artikel mit dem Hochzeitsfoto der Zwangsehe Serap Çilelis und bezeichnete ihre Biographie als Lüge. Serap Çileli kommentierte zur Veröffentlichung der Aufnahmen:

„Beide Fotos wurden von einem Fotografen gemacht, der einen ja ständig aufgefordert hat, zu lachen, zu lächeln und auch freundlich zu wirken. Wie es innerlich in mir ging, dass ich innerlich geweint hatte, dass ich innerlich gelitten habe, hat niemanden interessiert.“ – Serap Çileli, 2005

Kontroverse im Fall Kardelen 2009: Am 15. Januar 2009 wurde die Leiche der erst achtjährigen Kardelen K. am Möhnesee (in Nordrhein-Westfalen) entdeckt, die erstickt und sexuell missbraucht wurde. Serap Çileli äußerte öffentlich die vorsichtige Vermutung, der Täter könne auch ein Türke sein und wurde daraufhin von den türkischen Zeitungen Hürriyet, Sabah und Zaman stark angegriffen. Auch die türkischstämmige Autorin Hatice Akyün hat Çileli vorgeworfen, sie benutze die Tat dazu, das Misstrauen zwischen Türken und Deutschen zu vergrößern. Zu den Vorwürfen hat Serap Çileli zum ersten Mal bei Johannes B. Kerner, zum Thema „Integration und Missverständnisse“ am 5. Februar 2009 kurz reagiert. In einem Interview mit der FAZ vom 9. Februar 2009 konnte sie sich ausführlich zu den Geschehnissen äußern:.

„Meine Formulierungen sind nicht auf das Schicksal von Kardelen K. und ihrer Familie ausgerichtet gewesen. Wir wissen vielmehr aus wissenschaftlichen Untersuchungen, dass Vergewaltiger und Sexualmörder überwiegend Männer aus dem sozialen Umfeld der Mädchen sind. [...] Ich bin wirklich froh, dass es nun einen Tatverdächtigen gibt, gleichgültig, welche Nationalität er besitzt. [...] Ich würde gerne den scheinintegrierten türkischen Bildungsbürgern und den türkischen Medien sagen, dass man in einer Demokratie auch abweichende Sichtweisen ertragen muss und sich nicht dauernd empört geben kann. Das gehört zur Meinungsfreiheit dazu.“

Quelle: Serap Cileli



Aus dem Leben Serap Cilelis     Top

Serap Cileli Serap Çileli war 22 Jahre alt und gegen ihren Willen schon sieben Jahre verheiratet (Sie wurde mit 15 zwangsverheiratet.), als sie in ihrem Heimatort Mersin die Idylle durchs Fenster sah, nach der sie sich selbst immer gesehnt hatte: In der gegenüberliegenden Wohnung saß die ganze Familie um einen großen Tisch, und alle lachten über den schon erwachsenen Sohn, der mit einem Kochlöffel auf einen Topf trommelte. Ali. Der Weg nach nebenan war lang. Er dauerte Jahre. Heute ist Serap Çileli mit Ali verheiratet, mit dem Mann, den sie jahrelang nicht heiraten durfte, den sie schließlich heiraten mußte, sonst hätte ihr Vater sie, wie er ihr mitteilen ließ, um die Welt gejagt wie ein Tier.

Ali. Ohne ihn hätte sie es wohl nicht geschafft, aus ihrem Gefängnis auszubrechen, sagt Serap Çileli, während ihr Mann ihr eine Marlboro reicht. Er ist ihr nach Deutschland gefolgt. Er hat sie unterstützt, nachdem sie mit ihren beiden Kindern vor ihrer Familie geflohen war. Er hat als Illegaler in einer Dönerbude geputzt und auf deutschen Bahnhöfen geschlafen. Und er brachte ihr vom Flohmarkt eine Schreibmaschine mit und ermutigte sie, ihre Tagebücher an Verlage zu schicken. Die schrieben ihr jahrelang zurück: "Interessante Geschichte, aber zu brisant für Deutschland." Alis Familie und die seiner Frau unterscheidet eigentlich nicht viel. Beide kommen aus dem türkischen Mittelstand, beide aus einer Touristenstadt am östlichen Mittelmeer. Alis Vater hatte einen Marmorvertrieb, Seraps Vater eine Schreinerei. Alis Mutter ging bis zur fünften Klasse zur Schule, Seraps Mutter sogar bis zur neunten. In Deutschland herrsche immer noch die Vorstellung, daß nur ungebildete anatolische Bauern wie im Mittelalter lebten, sagt Serap Çileli. Das sei ein großer Irrtum. Ihr Bruder habe sich als Flugzeugbauingenieur mit einem 17 Jahre alten türkischen Mädchen verheiratet. Und von den Türkinnen, die in Deutschland auf den Universitäten studieren, trügen viele Kopftuch und seien von islamistischen Organisationen gezielt dorthin geschickt worden, um später wichtige Positionen einnehmen zu können. Der deutsche Staat verstehe das aber noch immer nicht, sagt Serap Çileli. Er lasse sich täuschen von den Masken der Islamisten, von geschliffener Rede und Tagen der offenen Tür. Von dem, was in Köln oder in Neukölln passiere, hätten die meisten wenig Ahnung.

Mittlerweile gibt es einige Türkinnen in Deutschland, die so sprechen. Seyran Ates zum Beispiel, die aus Angst vor Anfeindungen ihre Zulassung als Anwältin zurückgab. Oder Necla Kelek. Der Soziologin ("Plädoyer für die Befreiung des türkisch-muslimischen Mannes") unterstellten Anfang des Jahres Pädagogen und Migrationsforscher, sie schüre Ängste und arbeite nicht wissenschaftlich. Auch Serap Çileli arbeitet nicht wissenschaftlich. Sie erzählt eine Geschichte - die eine Geschichte vieler türkischer Frauen sein könnte.

Im Jahr 1974, mit acht Jahren, wurde sie nach Deutschland geholt, wo der Vater mittlerweile in einer Papierfabrik arbeitete. Er hatte Angst, daß Serap den Großeltern in der Türkei über den Kopf wachsen könnte. Als sich vier Jahre später erste weibliche Formen an ihrem Körper abzeichneten, wurde sie einem acht Jahre älteren Mann versprochen, den sie zuvor nie gesehen hatte. In der Schule legte sie ihren Verlobungsring ab, weil sie sich vor den anderen Mädchen schämte. Am Sportunterricht konnte sie oft nicht teilnehmen - sonst hätten die Mitschüler ihre blauen Flecken gesehen. Was ihren Vater vom Prügeln abhielt: die Sorge um ihr Jungfernhäutchen. Bei einem Besuch der Familie ihres Verlobten war Serap dann am Ende. Mit dreizehn. Sie ging ins Badezimmer und stopfte sich mit allen Tabletten voll, die sie finden konnte. Als sie ein paar Tage später aus dem Krankenhaus nach Hause kam, wartete der Vater schon auf sie. "Geh in die Küche", sagte er zu seiner Frau, "und bring mir das Nudelholz."

Die andere Familie wollte ihren Sohn keiner Aufsässigen geben. Die erste Verlobung wurde deshalb gelöst - eine zweite bald eingefädelt. Mit 15 Jahren heiratete Serap einen 25 Jahre alten Mann in der Türkei. Erst nach sieben Jahren Ekel und der Geburt eines Sohnes sowie einer Tochter willigten ihre Eltern in die Scheidung ein. Sie hatte damit gedroht, sich und ihre Kinder umzubringen. Seraps Mutter holte die beiden mit nach Deutschland - damit sie der beschämte Ehemann nicht entführen konnte. Serap mußte bald folgen, sonst, so prophezeiten ihr die Eltern, würde sie ihre Kinder nie wieder sehen.

Sie hatten von Seraps Schwester erfahren, daß ihre Tochter eine Beziehung zu Ali habe. Um das Allerschlimmste abzuwenden, wurde ein anderer Mann gesucht, durch den Heiratsvermittler, der schon für das erste Arrangement zuständig war. "Sei zufrieden, daß dich überhaupt jemand als Frau nimmt", sagte ihre Mutter. Und ihr Vater: "Meinen Stolz kriegst du nicht nieder, und wenn du meine Familienehre verletzt, werde ich dich umbringen." An einem der letzten Abende, die Serap Çileli in ihrer kleinen deutschen Wohnung in Sichtweite der Eltern verbrachte, wäre ihm das fast gelungen. Serap Çileli hatte sich geweigert, wegen eines Treffens mit dem neuen Verlobungskandidaten ihrer Arbeit als Schichtführerin in einem Schnellimbiß fernzubleiben. Daraufhin schlug ihr Vater sie halb tot. Sie wagte zum ersten Mal, sich an die Polizei zu wenden, um mit ihren Kindern abgeholt zu werden. Das Jugendamt vermittelte ihr eine Frauenorganisation, mutige Leute, die sie nachts aus ihrer Wohnung holten und mit ihren Kindern in ein Frauenhaus brachten, weit weg.

Sie blieb dort 16 Monate, mit überforderten Sozialarbeiterinnen, mit Prostituierten und Immigrantinnen, die ihr Schicksal teilten und oft doch wieder zu ihren Peinigern zurückkehrten. Eine der eindringlichsten Szenen in dem Buch "Wir sind eure Töchter, nicht eure Ehre", für das Serap Çileli 1999 doch noch einen Verlag fand, spielt im Frauenhaus. Als ihre Tochter mit Lidschatten und Lippenstift aus dem Zimmer einer anderen Türkin kommt, wird die Mutter zornig: "Du wirst dein Gesicht ordentlich mit Waschlappen und Seife waschen. Du weißt, daß ich das bei kleinen Kindern hasse." Das sei die Serap von damals gewesen, noch unter dem Eindruck des Erlittenen, sagt Serap Çileli heute. Ihre Mutter sei, als Serap gerade neun Jahre alt war, mit einem Schminkkoffer von Karstadt gekommen: "Du bist jetzt eine junge Frau!" Zu Hochzeitsfeiern mußte sie hohe Absätze und Abendkleider tragen, sie bekam rückenfreie Tops und Röcke mit Schlitzen. "Bis die Ware verkauft ist", sagt Serap Çileli, "wird sie auf dem Silbertablett präsentiert." Sie kenne junge Frauen, Jungfrauen, sagt Çileli, die für 25000 Euro ihren Besitzer gewechselt haben. Als Sexobjekt oder als Ticket nach Deutschland. Schon nach der Verlobung trete der Protektionismus an die Stelle des freien Marktes. Als sie im Imbiß arbeitete, sei ihr Vater dauernd gekommen, um sie zu kontrollieren. Sie wisse von verlobten Mädchen, denen, wenn sie auf Klassenfahrt mitdurften, vorher die Haare geschoren wurden - für den Fall, daß ihr Kopftuch verrutscht. Das wichtigste sei, bis zur Hochzeit Jungfrau zu bleiben. Ohne Jungfernhäutchen und ohne Mann sei man sozial tot. Das gelte dann für die gesamte Familie. Beflecktes Laken oder befleckte Ehre - jeder bekomme das mit.

Während ihrer Zeit im Frauenhaus wurde Serap Çileli zum dritten Mal schwanger. Diesmal von Ali. Auch seine Eltern waren nicht begeistert. Aber sie hielten zu ihrem Sohn. Weil Serap anfangs nur 400 Mark bei sich hatte und sich als Schwangere mit zwei Kindern schwertat, in Deutschland eine Wohnung oder eine Arbeit zu bekommen, mußte sie beim Sozialamt Antrag auf Sozialhilfe stellen. Der Bescheid wurde, wie in solchen Fällen üblich, an ihre Eltern geschickt, die so ihren Aufenthaltsort ausfindig machen konnten. Seraps Vater schickte zwei ihrer Brüder mit einem Brief. "Ich werde dich jagen wie ein Tier." Vaters Wunsch sei es, sagten die Brüder zu Ali, "daß du unserer Schwester keine Schande bringst". Das war 1993.

Serap Çileli hat seitdem nie Personenschutz beantragt. Sie verläßt aber bis heute nur in Begleitung die Wohnung. Ihr Mann gab seine Arbeit auf, um sie auf ihren Vortragsreisen begleiten zu können. Er filmt jeden Auftritt. Je mehr sie in der Öffentlichkeit stehe, sagt sie, desto sicherer fühle sie sich. Von ihrer Familie gehe heute keine Bedrohung mehr aus. Eher schon von radikalen Muslimen, die sie in Briefen regelmäßig beschimpften oder nach Vorträgen als Verräterin anprangerten. Eine deutsche Lehrerin habe sie einmal darum gebeten, nicht an die Schule zu kommen. Junge Türken hätten gedroht, wenn Frau Çileli spreche, dann würden sie die Aula kurz und klein schlagen. Sie ist trotzdem hingegangen. Passiert ist nichts.

Serap Çileli fühlt sich nicht als Muslima, aber auch nicht als Atheistin. Ihre jüngste Tochter ging vier Jahre lang in den katholischen Religionsunterricht, die Familie feiert Weihnachten und das muslimische Zuckerfest. Sie seien gut integriert, sagt Serap Çileli. Die ältere Tochter, die im kommenden Jahr ihr Abitur macht, hat einen deutschen Freund. Der Sohn, der Politikwissenschaft studiert, spielt im Handballverein. Bei Festen, sagt Serap Çileli, koche sie manchmal türkisch. Das komme gut an. Mit Fremdenfeindlichkeit habe sie in Deutschland keine Erfahrungen gemacht.

Im Sommer seien sie und ihr Mann im Städtchen spazierengegangen, sie mit einem Top, ihr Mann in kurzen Hosen. Es war heiß. Auf der anderen Straßenseite hörten sie zwei türkische Frauen, die Serap Çileli in einem Deutschkurs unterrichtete. "Schau mal", habe die eine laut zur anderen gesagt, "Ist das ein Mann?" - "Nein", habe die andere geantwortet, "das ist kein Mann. Das ist ein Waschlappen." Ali serviert türkischen Mokka. Die Frauen, sagt Serap Çileli, seien die eigentlichen Stützen des Weltbildes, das in Deutschland noch immer den grausamen Alltag vieler türkischer Familien bestimme. Serap Çileli hält eine Untersuchung der Konrad-Adenauer-Stiftung, nach der die Entscheidung zum Tragen eines Kopftuchs bei den meisten Deutschtürkinnen persönlicher Natur und kaum durch andere beeinflußt sei, für eine Farce. Die Wirklichkeit, die sie aus der Beratung vieler türkischer Mädchen kenne, sehe ganz anders aus.

Serap Çileli ist heute 40 Jahre alt. Nach fast zwanzig Jahren lebt sie in der Familie, die sie sich immer gewünscht hatte. "Wir haben gemeinsam alles verarbeitet." Das gelte auch für die beiden Kinder aus ihrer ersten Ehe. Ihren Vater kann man nicht mehr nach seiner Version der Geschichte fragen: Er ist vor einigen Jahren an einem Herzinfarkt gestorben, Serap Çileli hat es von einer ehemaligen Klassenkameradin erfahren. Nach der Hochzeit mit Ali hatte sie hin und wieder versucht, Kontakt mit den Eltern aufzunehmen. Familie sei eben Familie. Die Mutter habe aber immer abgeblockt. Das letzte Mal von ihrer Familie erfahren hat Serap Çileli aus der türkischen Zeitung "Hürriyet", die sie trotz anderen Namens aufgespürt hatte. In der Ausgabe, in der "Hürriyet" eine Kampagne gegen häusliche Gewalt gestartet hat, wurde auch ein Foto von der lächelnden Serap bei ihrer ersten Hochzeit gedruckt. Darüber steht: "Sieht so eine Frau aus, die zwangsverheiratet wurde?"

FAZ, 30.11.2006

Quelle: Serap Cileli


Die Integration ist gescheitert     Top

Serap Cileli ging in Deutschland zur Schule, musste in der Türkei heiraten und kämpft heute für die Rechte der Frauen

"Wir sind Eure Töchter, nicht Eure Ehre" heißt das Buch von Serap Cileli, in dem sie über das Schicksal einer Zwangsverheirateten erzählt. Die 39-jährige Autorin, die für die Rechte der Frauen kämpft, lebt in Hessen.

Frage: Frau Cileli, sie sollten schon mit zwölf Jahren zum ersten Mal zur Ehe gezwungen werden, machten deshalb einen Selbstmordversuch und wurden dennoch in der Türkei mit 15 Jahren zwangsverheiratet. Wie fühlt man sich als Kind, das gegen seinen Willen Gattin eines zehn Jahr älteren Mannes wird?

Serap Cileli: Ich hatte sehr große Ängste, war hilflos und wusste nicht, was auf mich zukommt. Ich wurde auch, was typisch ist für türkische Familien, weder über Sexualität aufgeklärt noch auf die Ehe vorbereitet. Es hieß immer nur: "Du musst gehorsam sein und darfst Deinem Ehemann nicht widersprechen." Ich sollte alles tun, was er von mir erwartet. Der Gehorsam war das einzige Vertraute. Ich musste immer schon gegenüber den Familienmitgliedern gehorsam sein.

Frage: Wie war das Leben mit Ihrem Mann?

Cileli: Ich bin in Deutschland aufgewachsen und hatte Alternativen kennen gelernt, etwa die meiner Klassenkameraden. Das Leben in der Türkei mit einem ungeliebten, fremden Mann war ein Leben in der Hölle. Ein Leben, das ich nicht akzeptieren wollte. Ich habe nie die Hoffnung aufgegeben, aus dieser Ehe auszubrechen.

Frage: Ist in der Türkei die Zwangsheirat die Regel oder die Ausnahme?

Cileli: Sie ist eher die Regel, auch hier unter den türkisch-moslemischen Migrantenfamilien.

Frage: Welche Rolle spielt dabei die Religion, der Islam?

Cileli: Der Islam fordert junge Menschen zur Heirat auf, und dazu, jungfräulich in die Ehe zu gehen. Das gilt zwar für beide Geschlechter, wird aber in der Praxis hauptsächlich von Frauen erwartet.

Frage: Solche Stellen finden sich im Koran?

Cileli: Ja. Wenn man Allah dienen will, muss man heiraten, das ist schon die halbe Religion. . .

Frage:Erlaubt der Koran die Heirat eines minderjährigen Kindes?

Cileli: Der Islam erklärt junge Menschen für heiratsfähig, sobald sie die Pubertät erreichen. Damit werden bereits minderjährige Jugendliche verheiratet. Diese Kinderehen werden auch in Deutschland praktiziert. Diese sind aus islamischer Perspektive gesegnete Ehen, weil sie nach dem Vorbild des islamischen Propheten Mohammed geschlossen sind. Er selbst hat die neunjährige Ayse geheiratet als er etwa 50 Jahre alt war.

Frage: Sie haben ein Buch geschrieben über ihre Erfahrungen und beraten jetzt junge Türkinnen, die in Deutschland leben. Was ist deren Hauptproblem?

Cileli: Ich habe seit 1994 über 150 Mädchen, aber auch Jungen beraten. Zu 90 Prozent sind sie von Zwangsheirat bedroht oder schon betroffen.

Frage: Wie können Sie helfen?

Cileli: Man muss die Ängste ernst nehmen. Das fehlt ihnen in der Familie. Dort haben sie keine Vertrauensperson, niemand hört ihnen zu. Dort herrschen nur die patriarchalischen-islamischen Regeln. Die müssen eingehalten werden. Ich versuche aber auch, den Mädchen Hilfestellungen zu geben, ihr Problem innerhalb der Familie zu lösen. Denn türkische Mädchen oder Jungen, die aus dem Elternhaus flüchten, empfinden bittere Ohnmacht. Sie fühlen sich als Schuldige. Deshalb kehren viele ins Elternhaus zurück und zahlen diesen hohen Preis...

Frage: ...der Zwangsehe.

Cileli:Ja. Und auch den hohen Preis des Schweigens und des Gehorsams.

Frage:Sie kennen die Geschichte von Gönül Karabey. Die 20-Jährige wurde von ihrem Bruder erschossen, weil sie einen Deutschen liebte. Häufen sich solche Morde, die im Namen der Familienehre begangen werden?

Cileli: Diese so genannten Ehrenmorde werden seit 50 Jahren immer wieder unter türkischen Migrantenfamilien verübt. Man hat das bislang nur nicht wahrgenommen. Die Öffentlichkeit ist allerdings nach der Ermordung des niederländischen Filmemachers Theo van Gogh aufmerksamer geworden. Erst nach dieser Tat registrierte Europa das Leiden der moslemischen Frauen. Die so genannten Ehrenmorde häufen sich nicht. Es gab sie schon immer. Sie sind allerdings Extremfälle. Es gibt Mädchen und Frauen, die ich betreue, die von ihren Familien verstoßen wurden, die enterbt wurden, die ständig in Anonymität leben müssen, damit sie nicht im Namen der Ehre ermordet werden.

Frage: Was sind das für Männer, die Frauen angeblich der Ehre wegen prügeln, einsperren, bedrohen und sogar töten?

Cileli: Die Frage der Ehre spielt eine entscheidende Rolle und ist eine Triebfeder, die aus mitteleuropäischer Sicht unverständlich bleibt. Es geht um Macht. Um männliche Macht, die es um jeden Preis festzuhalten gilt. Viele sagen, Ehrenmorde und Zwangsheirat haben nichts mit Islam zu tun. Ich sage: Für diese Ehrenmorde sind gewisse patriarchalische Traditionen und Strukturen verantwortlich. Es fließen aber auch Elemente des Islam in diese Traditionen ein. Im Ergebnis werden die Frauen als Ehre betrachtet. Und die Ehre der Frauen ist ihre Keuschheit und Jungfräulichkeit. Damit definieren die Männer durch das Sexualverhalten ihrer Frauen die Familienehre.

Frage: Sind das starke, oder sind das schwache Männer?

Cileli: Das sind feige Männer, die keinen Mut haben. Für mich haben diese Männer keine Ehre. Ich würde sie nicht einmal als Menschen betrachten. Das sind einfach nur Machos, die Besitz nehmen von Frauen und sie unterdrücken.

Frage: Kennen Sie Reaktionen türkischer Traditionalisten auf den gewaltsamen Tod von Gönül Karabey?

Cileli: Natürlich gibt es welche, die den Tod von Gönül Karabey befürworten. Das ist sogar die schweigende Mehrheit, von der man in der Öffentlichkeit nichts mitbekommt. Ich habe bei Besuchen in Schulen wahrgenommen, dass sogar türkische Jugendliche so genannte Ehrenmorde bejaht haben. Das ist keine Seltenheit. Diese Jugendlichen bekommen diese Gehirnwäsche in der Familie, aber auch in Korankursen, die sie an jedem Wochenende besuchen.

Frage: Greift diese Einstellung weiter um sich? Oder werden solche Auffassungen seltener, weil die Jugendlichen mehr und mehr integriert werden?

Cileli: Die Integration ist gescheitert. Ich weiß nicht einmal, ob sie je begonnen hat. Diese Haltung, diese Denkweise, diese Mentalität nimmt eher zu, weil die Islamisierung der türkischen Mitbürger in Deutschland zunimmt. Deshalb sehe ich die große Gefahr, dass, wenn wir jetzt nicht gegensteuern, auch Jugendliche der dritten und vierten Einwanderergeneration solche Ehrenmorde befürworten.

Frage: Was kann die deutsche Gesellschaft tun, um mehr zu integrieren und vor allem, um die jungen Frauen zu schützen?

Cileli: Die Deutschen müssen mit ihrer naiven Toleranz aufhören. Das ist aus meiner Sicht sehr wichtig. Jahrelang hat man uns die Multikulti-Idylle gepredigt. Die ist ja gescheitert. Wir müssen radikal umdenken und erkennen: Wir haben hier Probleme mit einer bestimmten Gruppe. Ich will nicht verallgemeinern. Ich möchte unterstreichen: nicht alle moslemisch-türkischen Familien in Deutschland haben patriarchalische Strukturen. Das ist eine bestimmte Gruppe. Aber es sind nicht wenige. Es werden von Tag zu Tag mehr. Wir müssen mit diesen Menschen den Dialog aufnehmen. Wir müssen sie aufklären. Nicht nur in der Schule. Wir müssen diese Denkweise, diese Mentalität im Keim ersticken, indem wir in solche Familie reingehen. Dazu brauchen wir deutsch-türkische Gemeinschaften mit unserem demokratischen Verständnis.

Frage: Aber in der Schule liegt doch wohl der Schlüssel für den Zugang zu solchen Familien?

Cileli: Ja. Aber die Präventionsarbeit der Schule muss von der türkischen Gemeinschaft unterstützt werden. Alleine schaffen das die Lehrer nicht. Oft werden auch Lehrer, die sich mit türkischen Machos ernsthaft auseinandersetzen, von ihren Kollegen mit dem Argument gebremst: Pass´ auf, sonst werden wir als ausländerfeindlich hingestellt. Die Schulen und Lehrer müssen mehr Mut haben und Konflikte, die sie mit ausländischen Schülern austragen, öffentlich machen. Diesen Jugendlichen muss man Grenzen setzen. Und wenn das nicht reicht, müssen härtere Gesetze her. Zwangsverheiratungen etwa müssen bestraft werden. Unter 21 Jahren dürfen Ehepartner nicht nach Deutschland einreisen. Und sie müssen Deutschkenntnis haben, bevor man sie hier aufnimmt.

Frage: Um den türkischen Traditionalisten etwas entgegenzusetzen, gehört der Bekennermut aufgeschlossener und moderner Türken in Deutschland dazu, die sich öffentlich gegen solche Zustände wenden?

Cileli:. Ja. Diesen Mut bringen leider viele integrierte Migranten in Deutschland nicht auf. Ich appelliere an meine Landsleute, die in ihrem Denken und ihrer Lebensweise demokratisch sind, und die hier im Westen angekommen sind: Wir brauchen ihre Unterstützung und dürfen nicht mehr, wie bislang, feige sein. Wir müssen uns öffentlich bekennen und das Selbstbestimmungsrecht der Frauen unterstützen.

Mit Serap Cileli sprach Christoph Cuntz.

Quelle: Die Integration ist gescheitert



Daß du keine Schande bringst     Top

Gesellschaftlicher Fortschritt ist sehr oft dem Wirken einzelner, herausragender Persönlichkeiten zu verdanken. Menschen die laut sind, wo es als “anständig” gilt zu schweigen. Die helfen, wo es tugendhaft ist, wegzusehen. Die den Mut haben, sich gegen den Zeitgeist und dessen mächtige Repräsentanten zu stellen und nicht nur Ansehensverlust riskieren, sondern wie im Fall der türkisch-stämmigen Menschenrechtsaktivisten Serap Cileli (Foto), auch ihr Leben.

Zugegeben. Nicht jeder hat so viel Mut und Charakterstärke in die Wiege gelegt bekommen. Umso wichtiger sind jedoch Solidarität und Würdigung dieser Mutigen, die so viel auf sich nehmen, um etwas Postives für unser aller Zusammenleben beizutragen. Und sich nicht zurück ziehen auf die verführerischen Annehmlichkeiten des Privatlebens, nachdem man dieses für sich akzeptabel gestalten konnte. In der FAZ erscheint heute ein Beitrag zu Serap Cileli. Biografisch wie gesellschaftspolitisch äußerst informativ. Ein Blick in eine Welt, die es gemäß multikultureller Bereicherungsdogmatik so garnicht geben dürfte.

Daß du keine Schande bringst.

Wie sich die Deutschtürkin Serap Çileli gegen ihre Familie eine eigene Familie erkämpfte / Von Timo Frasch

Text: F.A.Z., 30.11.2006, Nr. 279 / Seite 9

FRANKFURT, im November. Serap Çileli war 22 Jahre alt und gegen ihren Willen schon sieben Jahre verheiratet, als sie in ihrem Heimatort Mersin die Idylle durchs Fenster sah, nach der sie sich selbst immer gesehnt hatte: In der gegenüberliegenden Wohnung saß die ganze Familie um einen großen Tisch, und alle lachten über den schon erwachsenen Sohn, der mit einem Kochlöffel auf einen Topf trommelte. Ali. Der Weg nach nebenan war lang. Er dauerte Jahre. Heute ist Serap Çileli mit Ali verheiratet, mit dem Mann, den sie jahrelang nicht heiraten durfte, den sie schließlich heiraten mußte, sonst hätte ihr Vater sie, wie er ihr mitteilen ließ, um die Welt gejagt wie ein Tier.

Ali. Ohne ihn hätte sie es wohl nicht geschafft, aus ihrem Gefängnis auszubrechen, sagt Serap Çileli, während ihr Mann ihr eine Marlboro reicht. Er ist ihr nach Deutschland gefolgt. Er hat sie unterstützt, nachdem sie mit ihren beiden Kindern vor ihrer Familie geflohen war. Er hat als Illegaler in einer Dönerbude geputzt und auf deutschen Bahnhöfen geschlafen. Und er brachte ihr vom Flohmarkt eine Schreibmaschine mit und ermutigte sie, ihre Tagebücher an Verlage zu schicken. Die schrieben ihr jahrelang zurück: “Interessante Geschichte, aber zu brisant für Deutschland.” Alis Familie und die seiner Frau unterscheidet eigentlich nicht viel. Beide kommen aus dem türkischen Mittelstand, beide aus einer Touristenstadt am östlichen Mittelmeer. Alis Vater hatte einen Marmorvertrieb, Seraps Vater eine Schreinerei. Alis Mutter ging bis zur fünften Klasse zur Schule, Seraps Mutter sogar bis zur neunten. In Deutschland herrsche immer noch die Vorstellung, daß nur ungebildete anatolische Bauern wie im Mittelalter lebten, sagt Serap Çileli. Das sei ein großer Irrtum. Ihr Bruder habe sich als Flugzeugbauingenieur mit einem 17 Jahre alten türkischen Mädchen verheiratet. Und von den Türkinnen, die in Deutschland auf den Universitäten studieren, trügen viele Kopftuch und seien von islamistischen Organisationen gezielt dorthin geschickt worden, um später wichtige Positionen einnehmen zu können. Der deutsche Staat verstehe das aber noch immer nicht, sagt Serap Çileli. Er lasse sich täuschen von den Masken der Islamisten, von geschliffener Rede und Tagen der offenen Tür. Von dem, was in Köln oder in Neukölln passiere, hätten die meisten wenig Ahnung.

Mittlerweile gibt es einige Türkinnen in Deutschland, die so sprechen. Seyran Ates zum Beispiel, die aus Angst vor Anfeindungen ihre Zulassung als Anwältin zurückgab. Oder Necla Kelek. Der Soziologin (”Plädoyer für die Befreiung des türkisch-muslimischen Mannes”) unterstellten Anfang des Jahres Pädagogen und Migrationsforscher, sie schüre Ängste und arbeite nicht wissenschaftlich. Auch Serap Çileli arbeitet nicht wissenschaftlich. Sie erzählt eine Geschichte – die eine Geschichte vieler türkischer Frauen sein könnte.

Im Jahr 1974, mit acht Jahren, wurde sie nach Deutschland geholt, wo der Vater mittlerweile in einer Papierfabrik arbeitete. Er hatte Angst, daß Serap den Großeltern in der Türkei über den Kopf wachsen könnte. Als sich vier Jahre später erste weibliche Formen an ihrem Körper abzeichneten, wurde sie einem acht Jahre älteren Mann versprochen, den sie zuvor nie gesehen hatte. In der Schule legte sie ihren Verlobungsring ab, weil sie sich vor den anderen Mädchen schämte. Am Sportunterricht konnte sie oft nicht teilnehmen – sonst hätten die Mitschüler ihre blauen Flecken gesehen. Was ihren Vater vom Prügeln abhielt: die Sorge um ihr Jungfernhäutchen. Bei einem Besuch der Familie ihres Verlobten war Serap dann am Ende. Mit dreizehn. Sie ging ins Badezimmer und stopfte sich mit allen Tabletten voll, die sie finden konnte. Als sie ein paar Tage später aus dem Krankenhaus nach Hause kam, wartete der Vater schon auf sie. “Geh in die Küche”, sagte er zu seiner Frau, “und bring mir das Nudelholz.”

Die andere Familie wollte ihren Sohn keiner Aufsässigen geben. Die erste Verlobung wurde deshalb gelöst – eine zweite bald eingefädelt. Mit 15 Jahren heiratete Serap einen 25 Jahre alten Mann in der Türkei. Erst nach sieben Jahren Ekel und der Geburt eines Sohnes sowie einer Tochter willigten ihre Eltern in die Scheidung ein. Sie hatte damit gedroht, sich und ihre Kinder umzubringen. Seraps Mutter holte die beiden mit nach Deutschland – damit sie der beschämte Ehemann nicht entführen konnte. Serap mußte bald folgen, sonst, so prophezeiten ihr die Eltern, würde sie ihre Kinder nie wieder sehen.

Sie hatten von Seraps Schwester erfahren, daß ihre Tochter eine Beziehung zu Ali habe. Um das Allerschlimmste abzuwenden, wurde ein anderer Mann gesucht, durch den Heiratsvermittler, der schon für das erste Arrangement zuständig war. “Sei zufrieden, daß dich überhaupt jemand als Frau nimmt”, sagte ihre Mutter. Und ihr Vater: “Meinen Stolz kriegst du nicht nieder, und wenn du meine Familienehre verletzt, werde ich dich umbringen.” An einem der letzten Abende, die Serap Çileli in ihrer kleinen deutschen Wohnung in Sichtweite der Eltern verbrachte, wäre ihm das fast gelungen. Serap Çileli hatte sich geweigert, wegen eines Treffens mit dem neuen Verlobungskandidaten ihrer Arbeit als Schichtführerin in einem Schnellimbiß fernzubleiben. Daraufhin schlug ihr Vater sie halb tot. Sie wagte zum ersten Mal, sich an die Polizei zu wenden, um mit ihren Kindern abgeholt zu werden. Das Jugendamt vermittelte ihr eine Frauenorganisation, mutige Leute, die sie nachts aus ihrer Wohnung holten und mit ihren Kindern in ein Frauenhaus brachten, weit weg.

Sie blieb dort 16 Monate, mit überforderten Sozialarbeiterinnen, mit Prostituierten und Immigrantinnen, die ihr Schicksal teilten und oft doch wieder zu ihren Peinigern zurückkehrten. Eine der eindringlichsten Szenen in dem Buch “Wir sind eure Töchter, nicht eure Ehre”, für das Serap Çileli 1999 doch noch einen Verlag fand, spielt im Frauenhaus. Als ihre Tochter mit Lidschatten und Lippenstift aus dem Zimmer einer anderen Türkin kommt, wird die Mutter zornig: “Du wirst dein Gesicht ordentlich mit Waschlappen und Seife waschen. Du weißt, daß ich das bei kleinen Kindern hasse.” Das sei die Serap von damals gewesen, noch unter dem Eindruck des Erlittenen, sagt Serap Çileli heute. Ihre Mutter sei, als Serap gerade neun Jahre alt war, mit einem Schminkkoffer von Karstadt gekommen: “Du bist jetzt eine junge Frau!” (Anmerkung:

Dieses Alter zur Definition als Frau ist kein Zufall. Der Prophet hatte ein Kind als “Frau”, das er im Alter von neun Jahren entjungfert hat) Zu Hochzeitsfeiern mußte sie hohe Absätze und Abendkleider tragen, sie bekam rückenfreie Tops und Röcke mit Schlitzen. “Bis die Ware verkauft ist”, sagt Serap Çileli, “wird sie auf dem Silbertablett präsentiert.” Sie kenne junge Frauen, Jungfrauen, sagt Çileli, die für 25000 Euro ihren Besitzer gewechselt haben. Als Sexobjekt oder als Ticket nach Deutschland. Schon nach der Verlobung trete der Protektionismus an die Stelle des freien Marktes. Als sie im Imbiß arbeitete, sei ihr Vater dauernd gekommen, um sie zu kontrollieren. Sie wisse von verlobten Mädchen, denen, wenn sie auf Klassenfahrt mitdurften, vorher die Haare geschoren wurden – für den Fall, daß ihr Kopftuch verrutscht. Das wichtigste sei, bis zur Hochzeit Jungfrau zu bleiben. Ohne Jungfernhäutchen und ohne Mann sei man sozial tot. Das gelte dann für die gesamte Familie. Beflecktes Laken oder befleckte Ehre – jeder bekomme das mit.

Während ihrer Zeit im Frauenhaus wurde Serap Çileli zum dritten Mal schwanger. Diesmal von Ali. Auch seine Eltern waren nicht begeistert. Aber sie hielten zu ihrem Sohn. Weil Serap anfangs nur 400 Mark bei sich hatte und sich als Schwangere mit zwei Kindern schwertat, in Deutschland eine Wohnung oder eine Arbeit zu bekommen, mußte sie beim Sozialamt Antrag auf Sozialhilfe stellen. Der Bescheid wurde, wie in solchen Fällen üblich, an ihre Eltern geschickt, die so ihren Aufenthaltsort ausfindig machen konnten. Seraps Vater schickte zwei ihrer Brüder mit einem Brief. “Ich werde dich jagen wie ein Tier.” Vaters Wunsch sei es, sagten die Brüder zu Ali, “daß du unserer Schwester keine Schande bringst”. Das war 1993.

Serap Çileli hat seitdem nie Personenschutz beantragt. Sie verläßt aber bis heute nur in Begleitung die Wohnung. Ihr Mann gab seine Arbeit auf, um sie auf ihren Vortragsreisen begleiten zu können. Er filmt jeden Auftritt. Je mehr sie in der Öffentlichkeit stehe, sagt sie, desto sicherer fühle sie sich. Von ihrer Familie gehe heute keine Bedrohung mehr aus. Eher schon von radikalen Muslimen, die sie in Briefen regelmäßig beschimpften oder nach Vorträgen als Verräterin anprangerten. Eine deutsche Lehrerin habe sie einmal darum gebeten, nicht an die Schule zu kommen. Junge Türken hätten gedroht, wenn Frau Çileli spreche, dann würden sie die Aula kurz und klein schlagen. Sie ist trotzdem hingegangen. Passiert ist nichts.

Serap Çileli fühlt sich nicht als Muslima, aber auch nicht als Atheistin. Ihre jüngste Tochter ging vier Jahre lang in den katholischen Religionsunterricht, die Familie feiert Weihnachten und das muslimische Zuckerfest. Sie seien gut integriert, sagt Serap Çileli. Die ältere Tochter, die im kommenden Jahr ihr Abitur macht, hat einen deutschen Freund. Der Sohn, der Politikwissenschaft studiert, spielt im Handballverein. Bei Festen, sagt Serap Çileli, koche sie manchmal türkisch. Das komme gut an. Mit Fremdenfeindlichkeit habe sie in Deutschland keine Erfahrungen gemacht.

Im Sommer seien sie und ihr Mann im Städtchen spazierengegangen, sie mit einem Top, ihr Mann in kurzen Hosen. Es war heiß. Auf der anderen Straßenseite hörten sie zwei türkische Frauen, die Serap Çileli in einem Deutschkurs unterrichtete. “Schau mal”, habe die eine laut zur anderen gesagt, “Ist das ein Mann?” – “Nein”, habe die andere geantwortet, “das ist kein Mann. Das ist ein Waschlappen.” Ali serviert türkischen Mokka. Die Frauen, sagt Serap Çileli, seien die eigentlichen Stützen des Weltbildes, das in Deutschland noch immer den grausamen Alltag vieler türkischer Familien bestimme. Serap Çileli hält eine Untersuchung der Konrad-Adenauer-Stiftung, nach der die Entscheidung zum Tragen eines Kopftuchs bei den meisten Deutschtürkinnen persönlicher Natur und kaum durch andere beeinflußt sei, für eine Farce. Die Wirklichkeit, die sie aus der Beratung vieler türkischer Mädchen kenne, sehe ganz anders aus.

Serap Çileli ist heute 40 Jahre alt. Nach fast zwanzig Jahren lebt sie in der Familie, die sie sich immer gewünscht hatte. “Wir haben gemeinsam alles verarbeitet.” Das gelte auch für die beiden Kinder aus ihrer ersten Ehe. Ihren Vater kann man nicht mehr nach seiner Version der Geschichte fragen: Er ist vor einigen Jahren an einem Herzinfarkt gestorben, Serap Çileli hat es von einer ehemaligen Klassenkameradin erfahren. Nach der Hochzeit mit Ali hatte sie hin und wieder versucht, Kontakt mit den Eltern aufzunehmen. Familie sei eben Familie. Die Mutter habe aber immer abgeblockt. Das letzte Mal von ihrer Familie erfahren hat Serap Çileli aus der türkischen Zeitung “Hürriyet”, die sie trotz anderen Namens aufgespürt hatte. In der Ausgabe, in der “Hürriyet” eine Kampagne gegen häusliche Gewalt gestartet hat, wurde auch ein Foto von der lächelnden Serap bei ihrer ersten Hochzeit gedruckt. Darüber steht: “Sieht so eine Frau aus, die zwangsverheiratet wurde?”

Quelle: Serap Cileli - Bewundernswert mutig



Vergewaltigung und Sexualmord ist ein Tabuthema für Türken     Top

Serap Cileli über den Mordfall Kardelen K.

Nach dem Mord an Kardelen K. fahndet die Polizei in der Türkei nach dem 29 Jahre alten Tatverdächtigen. Seine Frau soll zur Tatzeit nicht in der Wohnung gewesen sein. Die Schriftstellerin Serap Cileli arbeitet seit Jahren über die häusliche Gewalt in muslimischen Familien. Sie ist im Alter von 15 Jahren in der Türkei zwangsverheiratet worden. Später kehrte sie mit ihren Kindern nach Deutschland zurück und gründete den Verein Peri (“Die gute Fee“), der Frauen hilft, die von Zwangsheirat und Gewalt in ihrer Familie bedroht sind.

Frau Cileli, Sie hatten, bevor es ein konkretes Ermittlungsergebnis gab, öffentlich vermutet, der Täter könne auch ein Türke sein, möglicherweise stamme er aus der Nachbarschaft. Beides ist mutmaßlich der Fall. Fühlen Sie sich bestätigt?

Ich bin wirklich froh, dass es nun einen Tatverdächtigen gibt, gleichgültig, welche Nationalität er besitzt. Es geht mir nicht darum, wer recht hatte. Ich hatte Mutmaßungen geäußert, die bei einigen Menschen Zorn hervorgerufen haben. Das Einzige, was mich betrübt und verletzt, ist das grausame Schicksal, das diesem unschuldigen Kind widerfahren ist.

Sie hatten auch den Verdacht geäußert, dass für den Fall, dass eine Türkin Hinweise auf den Verdächtigen habe, ihr Mann ihr kaum erlauben würde, zur Polizei zu gehen - aus Angst vor der Rache der Familie des Täters. Aus der Nachbarschaft des Opfers kamen nach anfänglichem Zögern schließlich doch Hinweise. Haben Sie sich getäuscht?

Nicht unbedingt: Die Mordkommission hat noch immer mit diversen offenen Fragen zu kämpfen, zu denen es keine Anhaltspunkte von möglichen Zeugen gibt. Darüber hinaus war nach Auskunft der Polizei der entscheidende Hinweis keine Aussage eines Nachbarn, sondern die Visitenkarte eines türkischen Juweliers, die am Leichenfundort entdeckt wurde.

Eine Ihrer Annahmen stimmte nicht: Der Tatverdächtige Ali K. war, soviel man heute weiß, kein Freund oder Verwandter der Familie. Wie kamen Sie zu der Hypothese?

Meine Formulierungen sind nicht auf das Schicksal von Kardelen K. und ihrer Familie ausgerichtet gewesen. Wir wissen vielmehr aus wissenschaftlichen Untersuchungen, dass Vergewaltiger und Sexualmörder überwiegend Männer aus dem sozialen Umfeld der Mädchen sind - das ist unabhängig von der Nationalität.

Verschiedene türkischsprachige Zeitungen in Deutschland hatten Sie scharf kritisiert, mit dem Unterton, Sie verletzten die Ehre Ihrer türkischen Landsleute. Sie bekamen zahlreiche wütende E-Mails und Briefe; die ganze türkische Öffentlichkeit schien gegen Sie zu sein. Welchen wunden Punkt haben Sie berührt?

Ich habe ein Tabuthema angesprochenen. Pädophilie, Vergewaltigung, Sexualmord - all das kommt leider auch unter Türken vor, man will es nur nicht wahrhaben. Personen und Verbände aus dem türkisch-islamischen Kreis haben versucht, diese Tragödie zu instrumentalisieren, um einmal mehr Migranten in Deutschland als Opfer darzustellen. Ich würde gerne den scheinintegrierten türkischen Bildungsbürgern und den türkischen Medien sagen, dass man in einer Demokratie auch abweichende Sichtweisen ertragen muss und sich nicht dauernd empört geben kann. Das gehört zur Meinungsfreiheit dazu.

Wofür ist die Kritik, die sich gegen Sie richtete, symptomatisch?

Die Reaktionen sind stets gefärbt von verletztem Ehrgefühl und gekränktem Nationalstolz. Religiöse Orthodoxie spielt ebenso eine bedeutende Rolle. Ich werde als Verräterin und Nestbeschmutzerin deklariert. Man versucht oft, mir kurdische Wurzeln nachzuweisen. Dabei stamme ich aus einer türkisch-alevitischen Familie, mein Mann ist Sunnit. Die Türken sehen die Missstände, die ich anprangere, als ein ausschließlich kurdisches Phänomen. Das entspricht aber nicht der Wahrheit, sondern ist rassistisch.

Wer hat Sie unterstützt?

Unterstützung hatte ich, wie immer, durch meine Familie und deutsche Freunde. Betonen möchte ich aber, dass sich auch einige türkische Mitbürger mit mir solidarisiert haben.

Quelle: Vergewaltigung und Sexualmord ist ein Tabuthema für Türken


50 verlorene Jahre –  die Folgen einer fehlenden Integrationspolitik  Top

von Serap Cileli, Trägerin des BDK- Verdienstordens um die Innere Sicherheit Bul-le-merite

Der BDK zeichnete im Rahmen eines Festaktes am 18.09. in Potsdam für Ihre Verdienste um die Innere Sicherheit und speziell für die Sicherheit muslimischer Frauen in Deutschland die türkischstämmige Frauenrechtlerin Serap Cileli aus, die die vielen prominenten Gäste und den BDK- Bundesvorstand sehr beeindruckte. Frau Cileli nahm sich kritisch der besonderen Rolle der Muslime in unserer Gesellschaft und speziell der Opferrolle muslimischer Frauen in der Bundesrepublik Deutschland an, kritisierte die bisherige Integrationspolitik, warnte vor politischen Tagträumereien im Umgang mit manchen Muslimen. Sie forderte in ihrem engagierten Vortrag die Politik und die Bürger auf, stolz auf die deutschen Grundwerte und die deutsche Kultur zu sein und sie zu verteidigen. Dieser beeindruckende Appell soll den Lesern von dk (der kriminalist) nicht vorenthalten werden und wird Spuren in der BDK- Verbandspolitik in den nächsten Jahren hinterlassen.

50 Jahre Migration in Deutschland - große Mehrheit der Muslime verhaftet in frauenfeindlichen Lebensweisen

„50 Jahre Migration in Deutschland“, die Integration der Muslime und die innere Sicherheit in Deutschland, bleibt nach wie vor eine der wichtigsten innenpolitischen Aufgaben und Pflichten der kommenden Jahre. Was versäumt wurde oder was gestern geschah weiß jeder, lassen Sie uns darüber reden, was morgen passiert und was morgen getan werden muss.

Fakt ist, dass Deutschland in der Vergangenheit ein Zuwanderungsland war, heute ein Zuwanderungsland ist. Fakt ist auch, dass die große Mehrheit der Muslime in Deutschland, besonders türkischen Ursprungs, in ihren frauenfeindlichen Lebensweisen, Bräuchen und Traditionen, ihrem islamischen Glauben und Kultur verhaftet ist. Fakt ist auch, dass der Islam in Deutschland „als eine Religion zwischen Gott und dem Menschen“ nicht nur das Gesicht verloren hat, sondern sein ursprüngliches Gesicht gezeigt hat „archaisch und gewalttätig".

Ein wachsames Auge auf Konvertiten haben Und längst ist der Islam in Deutschland nicht mehr nur die Religion von Migranten, sondern von mindestens 18.000 zum Islam konvertierten Deutschen. Deren genaue Zahlen sind nicht bekannt, weil es kein Konvertitenregister gibt. Aber ohne Zweifel - „Tendenz steigend“ - konvertieren immer mehr Deutsche zum Islam, was aus meiner Sicht eine alarmierende Entwicklung offenbart. Auf Konvertiten sollten wir ein wachsames Auge haben. Sie sind Kinder aus gut bürgerlichem deutschem Elternhaus, sind für Radikalisierung empfänglich und neigen oft, wie der designierte bayerische Ministerpräsident Günther Beckstein (CSU) dem "Handelsblatt“ (6.09.2007) sagte "eindeutig dazu, sich durch besonderen Fanatismus der neuen Religion als würdig erweisen zu wollen". Die so genannten hausgemachten - islamistischen Selbstmordattentäter „auf dem Weg ins Paradies“ heißen mittlerweile nicht nur [1] Adem Y. oder [4] Mohammed Atta sogar [2] Fritz Martin G. oder [3] Daniel Martin S.

[1] [2] [3] Adem Y. der 28- jährige Deutsch-Türke, Fritz Martin G. (28 J.) und Daniel Martin S. (21 J.) beide zum Islam konvertierte Deutsche, werden verdächtigt Mitglied der terroristischen Vereinigung Islamische Dschihad Union zu sein und Bombenanschläge auf US-Einrichtungen geplant zu haben. Alle drei Beschuldigten wurden kurz vor dem 6. Jahrestag der Terror-Taten vom 11. September, im Sauerland unter Terrorverdacht festgenommen.
[4] Mohammed Atta, Hamburger Student und spätere Terror-Pilot am 11. September 2001 in New York.

Da die Mehrheit der deutschstämmigen Konvertiten zum Islam Frauen sind, möchte ich die zum Islam übergetretene 38-jährige Belgierin (Muriel Degauque) nennen, die sich am 9. November 2005 bei Bagdad in die Luft gesprengt hatte und die 40-jährige Berlinerin Sonja B., bei der der Verdacht bestand, mit ihrem Kleinkind „auf dem Weg Allahs“ den Dschihad zu unternehmen, nicht unerwähnt lassen. Auf diese Neue Bewegung der Glaubenskrieger sollten wir sehr achten.

Mehr Mut zeigen und klare Worte sprechen

Demzufolge rufe ich uns alle auf, mehr Mut zu zeigen und klare Worte zu sprechen. Denn bekanntlich sind nicht nur der religiöse Fundamentalismus und politische Islam in Deutschland längst eine markante Realität geworden, sondern auch die so genannten „Grauen Wölfe“ (Bozkurtlar), die als Sammelbecken der “türkischen” Neofaschisten bekannt sind. Diese ethnisch (rassistisch)- nationalistische mit fundamentalistischen Elementen vermischte Bewegung ist mit ihrer Gewaltbereitschaft und den am Führerprinzip ausgerichteten totalitären System ein Nährboden auch für islamistische und extremistische Vereinigungen auf deutschen Boden. Hinter den repräsentativen Moscheebauten - die sich als Sinnbild von Stärke und Überlegenheit des Islams darstellen- stehen nicht selten die undurchsichtigen Gruppen von Grauen Wölfen.

Andersartigkeit darf friedliches Zusammenleben nicht gefährden

Jeder Mensch hat das Recht, seine Religion auszuleben, Recht auf Freiheit, Gleichheit und Sicherheit, das Recht auf individuelle Andersartigkeit. Gleichwohl ist die Andersartigkeit aber nur hinzunehmen, so lange sie das friedliche Zusammenleben der Menschen in diesem Land nicht gefährdet. Denn was unbestritten ist, dass jede Gesellschaft nur eine bestimmte Menge an Andersartigkeit und Unterschiedlichkeit vertragen kann. Die Grenzen für Andersartigkeit müssen im Grundgesetz liegen, das für alle Bürger dieses Landes gleichermaßen gültig ist.

Menschenwürde und Menschenrechte, sowie Freiheit und Individualität sind Bedingungen und Früchte der Demokratie, die nicht teilbar sind. Die Werte unserer Verfassung sind für alle Mitglieder der Bundesregierung höchste und verpflichtende Güter und dürfen nicht zu Gunsten anderer Werte etwa der traditionellen Normen und Werte der Scharia (das islamische Rechtssystem) eingeschränkt werden.

Justiz- Skandale

Der Justiz-Skandal in einem Scheidungsprozess einer Frankfurter Familienrichterin im März dieses Jahres belegt auf traurige Weise, wie im Namen der Scharia das deutsche Rechtssystem unterminiert wird. Weil eine 26- jährige Muslimin - eine Deutsche marokkanischer Abstammung- von ihrem marokkanischen Ehemann schwer misshandelt wurde, wollte sie ihre Scheidung beschleunigen. Ihren Härtefallantrag lehnte die Frankfurter Richterin unter Berufung auf den Koran ab. Sie verwies auf das Züchtigungsrecht des muslimischen Mannes in einer Ehe.

Ein weiteres Beispiel, bei dem die deutsche Justiz vor Scharia und archaischen Traditionen in die Knie geht, erlebten wir im Berliner Sürücü- Prozess. Die islamisch-orthodox orientierte Familie der ermordeten Hatun Sürücü wurde von ihren eigenen „Kadi“ also „Schariarichter“ im Prozess begleitet. Als ein näherer Bekannter der Familie Sürücü nahm er seinen Platz im Richterzimmer, mit Einverständnis des deutschen Richters.

Beruht der christlich- islamische Dialog auf der Täuschung der Christen?

Ich sehe rot, wenn ich Zeuge werde, wie der Imam von Izmir die heutige Realität schon vor Jahren richtig erkannt hat. Er wandte sich an die christlichen Teilnehmer eines Dialogtreffens und mahnte die Westeuropäer: [5] "Dank eurer demokratischen Gesetze werden wir euch überwältigen, dank eurer religiösen Gesetze werden wir euch beherrschen“.

[5] Auf der Europa-Synode 1999 in Rom berichtete der türkische Bischof Bernardini über die Offenheit, mit der sich kurz zuvor der Imam von Izmir an die christlichen Teilnehmer eines Dialogtreffens gewandt hatte: "Dank eurer demokratischen Gesetze werden wir euch überwältigen, dank eurer religiösen Gesetze werden wir euch beherrschen." (Zitiert nach Gernot Facius, DIE WELT vom 06.10.2001 und Hans-Peter Raddatz: "Von Gott zu Allah", Seite 349, Herbig Verlag, München, 2001).

Und ich muss ihm da Recht geben, denn die „Herrschaft“ hat schon begonnen. Da fragt man sich doch zwangsläufig, ob der christlich-islamische Dialog nicht auf Täuschungen beruht? 

Welche Chancen hat der christlich-islamische Dialog, wenn die muslimischen Brüder und Schwestern uns mit unantastbaren Dogmen begegnen, wie:  „Wir haben die Antwort auf Eure Fragen! Ihr könnt uns nichts beibringen und wir brauchen nichts zu lernen. Denn der Islam ist die einzig wahre Religion, der erste Mensch war Muslim. Es ist die Urreligion Abrahams. Wir laden Euch alle ein, unseren Propheten, dem Islam, Scharia, Hadithen und Koran gegenüber Ehrfurcht und Respekt zu bringen“.

Wie lange sollen wir noch stramm stehen vor Muslimen, die sich ähnlich äußern wie der damalige Oberbürgermeister von Istanbul und heutige Ministerpräsident Erdogan, der bei einer Wahlveranstaltung in Südostanatolien in seiner Rede folgende Sätze zitierte: [6] „Die Demokratie ist nur der Zug, auf den wir aufsteigen, bis wir am Ziel sind. DieMoscheen sind unsere Kasernen, die Minarette unsere Bajonette, die Kuppeln unsere Helme und die Gläubigen unsere Soldaten“.

[6] 1998 noch wurde Erdogan wegen Anstiftung zu religiösem Hass zu zehn Monaten Haft verurteilt, von denen er vier absaß, weil er bei einer Wahlveranstaltung in Südostanatolien aus einem religiösen Gedicht von Ziya Gökalp zitierte.
[a] Welt Online: Der Islamist als Modernisierer in: Die Welt, 6. Mai 2007
Faruk Sen ist Direktor der Stiftung Zentrum für Türkeistudien in Essen
[b] Dietrich Alexander: Reformer oder Wolf im Schafspelz? in: Die Welt, 22. September 2004

Es scheint zu stimmen, dass es sich um einen Dialog zwischen Tauben handelt.

Denn es ist eine Tatsache, das Begriffe wie „Dialog auf Augenhöhe“ „der gegenseitige Achtung, der Gerechtigkeit und Gleichheit“ oder Begriffe wie „Menschenrechte“ „Frauenrechte“ „Religionsfreiheit“ „Demokratie“ sowie Werte wie „Meinungsfreiheit“ „Informationsfreiheit“ und „Kunstfreiheit“ für die muslimischen Bevölkerung eine völlig andere Bedeutung haben als für die Westeuropäer.

Ich möchte klar und deutlich unterstreichen: Religionsfreiheit kann nicht einer Volksgemeinschaft bewilligt werden, die das Grundgesetz unseres Landes bekämpft.

Es würde in absehbarer Zeit vielen muslimischen Mädchen und Frauen helfen, den Spagat zwischen häuslicher Tradition und moderner westlicher Welt zu erleichtern, wenn zukünftig der Koran und Scharia nicht über das in Deutschland geltende Recht gestellt werden.

Deutsche sollten Werte ihrer Zivilisation mit Zivilcourage verteidigen

Wenn ich als eine Frau mit türkischem Migrationshintergrund mich gegen Islamisch besiegelte Männerherrschaft, gegen Aufbruch in die Vergangenheit wehre, dann fordere ich auch die Deutschen auf, Courage aufzubringen, die Dinge beim Namen zu nennen und die Werte der Zivilisation zu verteidigen- statt Kultur- und Islambonus zu verteilen. Sowie die deutschen Kulturrelativisten, die bei jeder Möglichkeit die deutsche Erbschuld in den Vordergrund rücken, die zweitrangige Stellung der Frau in islamischen Gesellschaften als eine Form der Kulturförderung verstehen.

Wenn die Deutschen sich von Schuldgefühlen befreien wollen, wenn sie nicht das Opfer von Selbstzensur sein wollen, dann sollten sie einer schleichenden Islamisierung unseres Landes couragiert die Stirn bieten, denn die konsequente Hand der Politik ist längst fällig. Und nicht zuletzt unterstützen sie uns in unserem Aufstand gegen die väterliche Autorität und islamische Tradition. All dies ist wahr. Aber es ist nur ein Teil der Wahrheit. Was wir alle wissen, jedoch nicht laut sagen dürfen.

Ist die Integration gelungen oder gescheitert?

Kann mit der derzeitigen Geisteshaltung die Islamisierung abgewehrt werden?

Ist die strukturelle Integration der Zuwanderer in Bildungssystem, Arbeitsmarkt und Berufswelt wie auch die kulturelle Assimilation an die hiesige Mehrheitsgesellschaft gelungen? Oder ist das Konzept der Integration gescheitert?

Die Antwort darauf war bis zum 11. September 2001 das bestgehütete offene Geheimnis im Lande. Nach dem Mord „Im Namen Allahs“ an dem islamkritischen Filmemacher Theo van Gogh herrschte nicht nur in den Niederlanden, sondern in ganz Westeuropa zunächst Wut und Bestürzung.

Am 2. November 2004 wurde Van Gogh auf offener Strasse am helllichten Tage nicht nur hingerichtet, sondern anschließend nach islamischem Ritual wie ein Hammel geschlachtet. Darauf folgten für einige Tage kriegsähnliche Schießereien zwischen Polizei, Armee und islamischen Fundamentalisten in Den Haag.

Der Islam-Experte Bassam Tibi erklärte vor der Presse, warum der von ihm geprägte Begriff der Leitkultur von zentraler Bedeutung ist. Und warnte: [7] „In der derzeitigen Geisteshaltung kann Europa die Islamisierung nicht abwehren“.

[7] Die Tagespost - Worum es eigentlich geht / DT vom 04.12.2004 Von Bassam Tibi

Doch die sozial-romantischen Multikulti- Träumer ließen die kritische Stimmen- wie seit 50 Jahren- außer Acht. Die Kritiker stießen auf große Ablehnung und wurden mit den Vorwürfen konfrontiert, den inneren Frieden zu gefährden. Extremisten, Islamisten und Schläfer, Zwangsehen und Importbräute beherrschten die Schlagzeilen in den Medien – immer wieder war von Parallelgesellschaften die Rede. Dennoch versuchte man die Kritiker zum Schweigen zu bringen und die Kritik durch Übertreibung zu verspotten. Erst nach der Ermordung von Hatun Sürücü- in Berlin-Tempelhof, am 7. Februar 2005, fing das Tabu an zu bröckeln. Gleichzeitig warnten - hierzulande - die politischen Intellektuellen, dass wir uns davor hüten sollten, mit Verallgemeinerungen zu hantieren. Denn durch Pauschalisierungen und Stimmungsmache würden wir das Integrationsklima gefährden.

Diskussion um „Ehrenmorde“ und „Zwangsverheiratungen“

Diese lähmende Ignoranz gegenüber der unausgesprochenen Frage „Wie steht es um die Integration von Muslimen in Deutschland?“ fand durch den Schuldirektor Volker Steffens ein Ende. In einer achten Klasse der Thomas-Morus-Oberschule in Berlin-Neukölln, billigten drei muslimische Schüler den Mord von Hatun Sürücü mit folgenden Worten: „Die hat doch selbst Schuld. Die Hure lief rum wie eine Deutsche“. Woraufhin der Direktor der Neuköllner Thomas-Morus-Oberschule, Volker Steffens, einen offenen Brief an die Eltern veröffentlichte: „Diese Schüler zerstören den Frieden des Schullebens, wenn sie den Mord gutheißen. Wir dulden keine Hetze gegen die Freiheit“.

In der Öffentlichkeit wurde der Mordfall von Hatun Sürücü sofort mit sechs weiteren Tötungsdelikten in Berlin seit Oktober 2004 in Verbindung gebracht, bei denen man als Tatmotiv einen so genannten „Ehrenmord“ vermutete.

Zugleich veröffentlichte am 19. Mai 2006 das Bundeskriminalamt in Wiesbaden eine Analyse zu in Deutschland polizeilich bekannt gewordenen so genannten "Ehrenmorden". Danach gab es in Deutschland vom 01.01.1996 bis 18.07.05 insgesamt 55 Fälle“.

Seit Mitte 2005 debattiert Deutschland- endlich- über die Integration von Zuwanderern, über die Frauen in der islamischen Welt als auch in der Diaspora. Schließlich gestanden wir uns zu, dass in vielen deutschen Städten mittlerweile eigene türkische Stadtviertel und demzufolge türkischsprachige Kulturbereiche entstanden sind.

Mitten in Deutschland und im westlichen Europa ist eine islamische Nebengesellschaft entstanden. In diesen Parallelgesellschaften behielten ein Teil unserer muslimischen Mitbürger ihre Stammeskultur, ihre traditionellen Werte, Sprache wie patriachale Normen bei, die mit unserem Grundgesetz und unseren Wertvorstellungen nicht vereinbar sind.

Im Klartext: Der Sprung von der alten in die neue Heimat ist unseren muslimischen Mitbürger nicht gelungen.

Was ist schief gelaufen in Deutschland?

Und heute sind so viele Experten und Politiker plötzlich unsicher und fragen: „Was ist schief gelaufen in Deutschland?“.

Jahrelang waren sie zu blauäugig und zu optimistisch, sind davon ausgegangen, dass spätestens die zweite Generation sich automatisch integrieren wird. Sie würden vom Gastarbeiter zum Bürger. Sie sind davon ausgegangen, dass die Differenzen zur einheimischen Gesellschaft in der Generationenfolge immer geringer werden. Die kommende Generation- die Kinder der Gastarbeiter- würden automatisch „ein Berliner“. Und jetzt stellen sie fest, dass sogar die dritte Generation- Tendenz steigend - in eine ganz andere Richtung geht. Ich sage dazu nur eins: „50 verlorene Jahre“ die Folgen einer fehlenden Integrationspolitik“.

Der Tragik einer verfehlten Integration

Viele Integrationsprobleme, die wir in der Vergangenheit wie heute mit integrationspolitischen Maßnahmen zu lösen versuchen, haben etwas mit einem fundamentalen Irrtum zu tun. Der Erklärungsversuch, dass jeder nach Deutschland zugewanderte „Muslim“ ,der Sprach- und Integrationskurse besucht, sich automatisch zu den Werten der freiheitlich demokratischen Grundordnung bekennt, Frauenrechte, religiöse Pluralität sowie das säkulare Prinzip anerkennt.

Ein weiteres falsches Versprechen ist die Integration durch Sprache. Die Wahrheit ist; Sprache ist nicht gleich Integration, aber sie ist ein Schlüssel dazu. Fehlende oder schlechte Sprachkenntnisse dürfen also für die Integrationsprobleme nicht alleine verantwortlich gemacht werden.

Die Arbeit der sprachlichen, beruflichen und sozialen Integration fängt mit der Erziehung im Elternhaus an und wird insbesondere durch Zusammenarbeit der Kindertagesstätte und Schule gestärkt.

Demokratische Werte in der Erziehung zu vermitteln, ist Sache der Eltern. Die muslimischen bzw. türkischen Eltern sollten verpflichtet werden, diese Aufgabe zu übernehmen. Falls notwendig, begleitet durch professionelle Sozialarbeit und Frühförderprogramme (z.B. Hippy- Programm). Ohne Mitwirkung der Eltern oder deren konstruktiven Integrationswillen, brauchen wir keine großen Hoffnungen weder in die neuen Integrationsmassnahmen auf Kosten der Steuerzahler noch in die am 28. August (2007) in Kraft getretene Zuwanderungsgesetz-Novelle zu setzen.

Die Rolle der türkischen Medien bei der Integration

Zorn auf das neue Zuwanderungsgesetz

Will man die türkische Bevölkerung integrieren, sollte man sie nicht allein lassen mit der Presse und dem Fernsehen aus der Türkei.

Die überwiegende Mehrzahl aller türkischen Programme, die in Deutschland empfangen werden, wird in der Türkei produziert und von dort via Satellit nach Deutschland übertragen. Die meisten dieser Programme sind kaum integrationsfördernd, sondern eher geeignet, türkische Migranten in der Kultur und Gedankenwelt ihres Herkunftslandes festzuhalten. Die Verbreitung radikal-islamischer und rechtsextreme Ideen durch die türkischen Medien in Deutschland ist bislang von politischer Seite kaum beachtet worden.

Die Berichterstattung türkischsprachiger Zeitungen geriet immer wieder in die Kritik. Vorgeworfen wurden ihnen ein verzerrtes Deutschlandbild und eine aggressiv-nationalistische Berichterstattung, die Integrationsbemühungen entgegensteht und zur Entwicklung von "medialen Parallelwelten" beiträgt. Ihr Einfluss auf den Integrationsprozess in Deutschland ist größer als der vieler deutscher Medien.

Es ist schon längst an der Zeit, dass wir den Multikulturalismus – hauptsächlich in der Politikszene- in Frage stellen und das Tabu brechen. Aber – ich fürchte- bis es soweit ist, wird die Kluft zwischen den Kulturen wohl noch größer werden. Unter dem Titel „Merkel ist der zweite Hitler“ setzte der in der Türkei erscheinende islamistische Tageszeitung „VAKIT“ (Anadolu' da Vakit) auf der Sonntagsausgabe vom 2. September (2007) die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel mit dem Nazi-Diktator Adolf Hitler gleich. Frau Merkel wurde zusätzlich noch in einer Karikatur mit einem Hakenkreuz am Arm gedemütigt und mit ihr das gesamte deutsche Volk.

Anlass für den Zorn ist das neue Zuwanderungsgesetz. Angeblich richte sich das neue Gesetz in erster Linie gegen die Türken. Ähnlicher Meinung waren u. a. mehrere türkische Migrationsorganisationen und deutsch-türkische Politiker, die den Integrationsgipfel am 12. Juli (2007) aus Protest boykottierten.

Als das Gesetz auch noch von unserem Bundespräsident Horst Köhler am 21. August (2007) unterschrieben wurde, hatten ebenfalls andere türkische Medien das neue Zuwanderungsgesetz zum Anlass genommen, feindliche Kritik an Merkel und der Bundesrepublik zu üben. Im umgekehrten Fall würden sich viele Türken in ihrem Nationalstolz angegriffen fühlen.

Der ein oder andere mag sich erinnern. Wenige Tage nach Papst Benedikts Rede in Regensburg musste der Vatikan „Angst vor Anschlägen“ die muslimischen Gläubigen um Entschuldigung bitten. Bei dem Karikaturen-Streit in Dänemark wie auch in Schweden spielten sich die gleichen Szenen ab.

Und bis heute warte ich vergeblich von der türkischen Seite auf diesen Satz: „Wir bitten die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel und das deutsche Volk um Entschuldigung für Kränkung“.

Und bis heute warte ich ebenfalls vergeblich auf die muslimischen "Schwestern und Brüder", die ein deutliches Bekenntnis „gegen Fundamentalismus“ und „für Integration“ setzen; sei es durch Großdemonstrationen, Anzeigenkampagnen, Mahnwachen oder mit einer kilometerlangen Lichterkette.

Erwartungen an ehrliche Anstrengungen der Muslime zur Integration

Ich möchte endlich Klarheit darüber, dass es ehrliche Anstrengungen auf Seiten der Muslime gibt, sich in unsere Gesellschaft und Kultur einzugliedern. Sei es mit Fahnen, Plakaten oder Bannern, die vor Moscheen hängen oder mit einem Aufkleber auf ihrem Auto, mit Slogans wie etwa; „Gegen Fundamentalismus“ „Gegen den politischen Islam“ oder „Für einen aufgeklärten Islam“ und „Gleichberechtigung für Musliminnen“ sowie „Gegen Zwangsehen und Ehrenmorde“. Ich vertraue ihren Lippenbekenntnissen nicht mehr. Ich möchte Taten sehen!

Es ist z.B. üblich, dass die Muslime im Fastenmonat Ramadan Spenden und auch ihre Zakat-Abgabe (Pflichtabgabe) bezahlen oder überweisen.

Ich erwarte von islamischen Organisationen und Initiativen oder von den Zakat –Verwaltungsbehörden die Zahlungen von Zakat- Abgaben nicht nur „von Moslems für Moslems“ Projekte wie z. B. in Palästina, Libanon, Sri Lanka oder Pakistan zu verwenden oder mit Zakat- Gelder für Finanzierung von Moscheebauten in Deutschland oder in den ärmsten Ländern der Welt - unter dem Vorwand „Muslime Helfen Menschen in Not“ - vorzusorgen, sondern auch „Hilfsprojekte für mittellose Christen" zu unterstützen oder Integrationsfördernde Projekte außerhalb der Moschee organisieren. Begrüßenswert wäre, wenn sie jedes Jahr nur auf einen Moscheebau verzichten würden, dafür aber eine „Kriseneinrichtung für muslimische Mädchen“ in Deutschland finanzieren.

Statt den islamischen Terrorismus nur mit Lippenbekenntnis zu verteufeln, sollten sie mit ihren Spenden Stiftungen oder Hilfsprojekte für Opfer und Hinterbliebene der Terroranschläge von New York und Washington (11.September 2001) oder
Madrid (11. März 2004) oder in Israel finanziell unterstützen, mit Zakat- Geldern Kampagnen starten gegen Verfolgung und Diskriminierung von Christen seitens muslimischer Fanatiker.

Integration nur bei Mentalitätswandel der muslimischen Gesellschaft möglich

Integration kann nur gelingen, wenn wir einen Mentalitätswandel der muslimischen Gesellschaft in Bewegung setzen. Besonders bei den so genannten türkischen Eliten (Unternehmer, Politiker, Journalisten, Akademiker). Allen voran brauchen wir einen Mentalitätswandel der deutschen Gesellschaft, die hinter jeder kritischen Äußerung, gleich Fremdenfeindlichkeit vermutet, in der selbst die einheimische Elite und eigene Bürger ein gespaltenes, distanziertes, sogar feindliches Verhältnis auf das Heimatland pflegt. Während die türkischen Migrantenkinder in Deutschland nicht selten einen türkischen faschistischen Namen bekommen wie Bozkurt oder Asena und ihnen ein chauvinistisches Nationalgefühl eingeimpft wird, wird bei den deutschen Kindern jedes positive Patriotismusgefühl erbarmungslos im Keim erstickt. Gerade die deutschen "Gutmenschen" meinen, jeder anständige Deutsche sollte sich seiner Vergangenheit allzeit schämen. Und wenn Jugendliche sagen; „Ich fühle mich nicht verantwortlich für ein Verbrechen, die meine Großeltern begangen haben!“, werden sie beleidigt und beschimpft.

Natürlich ist das Holocaust-Verbrechen - ein unvergleichliches Menscheitsverbrechen, das nicht vergessen werden darf. Aber auch alle anderen Staaten müssen sich dabei an die eigene Nase fassen. Die Zukunftsaufgabe der deutschen Jugend wird es sein, den unfreiwilligen, schweren Titel als „die Verbrecher des Holocaust“ abzulegen, für den Frieden weltweit- wachsam und achtsam - gegen Rassismus, Faschismus, Antisemitismus und andere Formen von Intoleranz- zu kämpfen.

Wenn die Deutschen Integration fordern, müssen sie sich die Frage stellen - In was wollen wir denn integrieren?

Woher soll der Stolz von Einwanderern auf das neue Heimatland kommen, oder sich zu diesem Land bekennen, wenn selbst der Einheimische Angst davor hat, "deutsch" zu sein. Angst davor hat, einmal die Fahne zu schwenken, ohne dabei als Nationalist verurteilt zu werden. Es ist uns nicht entgangen, dass viele von denen, die die deutsche Fahne bei der Fußball- Weltmeisterschaft 2006 schwenkten, einen Migrationshintergrund hatten. Die große Bühne der Fußball- WM hat uns positive Chancen für Integration und Zusammenleben gezeigt. Die Besinnung auf eigene kulturellen Werte und deren Vertretung ist kein Hindernis, sondern die Voraussetzung für einen interkulturellen Dialog.

Diese Werte- die auf dem unerschütterlichen Glauben an Demokratie, den Grundrechten von Männern und Frauen, der Würde des Einzelnen gründen – definieren weiterhin unsere gemeinsamen Interessen im 21. Jahrhundert. Wenn die Deutschen selber keine klare Identität haben, werden sie mit der Integration von Fremden scheitern.

Nicht nur als eine Frau mit türkischem Hintergrund, sondern vor allem als deutsche Staatsbürgerin muss ich mich daher gegen die Einschränkung der Freiheit wehren. Gerade durch meinen Verfassungspatriotismus bin ich verpflichtet, mich gegen jede Diskriminierung und Intoleranz zu wehren. Bleiben sie kritisch für das friedliche Zusammenleben!

Rede zur Verleihung des Ordens Bul- Le- Merite des Bundes Deutscher Kriminalbeamter. Am 18. September 2007; um 18.00 Uhr; im Dorint Novotel Hotel Potsdam

Quelle: 50 verlorene Jahre



Serap Cileli fordert mehr Mut von Deutschen     Top

In Hamburg hat ein Deutsch-Afghane seine Schwester erstochen, weil sie zu westlich lebte. Auch Serap Çileli weiß, was "Ehrenmord" bedeuten kann – sie ist selbst davor geflüchtet. Im Interview auf WELT ONLINE spricht die Frauenrechtlerin über ihre Erfahrungen und wirft den Deutschen falsche Toleranz vor.

Viele junge Muslima haben die Zukunft fest im Blick, doch nicht selten müssen sie sich früher oder später entscheiden - für ein selbstbestimmtes Leben oder die Familie

Es geschah am helllichten Tag mitten in Hamburg: Am Freitag erstach ein Deutsch-Afghane seine Schwester. Die 16-jährige Morsal musste sterben, weil sie sich „von der Familie abgewandt“ hatte, so lautet die Begründung des Täters. Die Frauenrechtlerin Serap Çileli (42) ist mit der „Ehrenmord“-Thematik vertraut. In ihrer Biografie „Wir sind Eure Töchter, nicht Eure Ehre“ schreibt sie über ihre eigenen Erfahrungen und liefert zugleich einen Einblick in die Mechanismen muslimischer Parallelwelten. Im Herbst erscheint ihr neues Buch „Eure Ehre, unser Leid“.

Welt Online: Die afghanische Familie des Opfers lebt seit 13 Jahren in Hamburg. Wie die blutige Tat nun gezeigt hat, sind sie nicht in der deutschen Kultur angekommen. Was ist da schief gelaufen?

Serap Çileli: Die Familie des Opfers scheint in den Vorstellungen einer islamisch geprägten Stammesgesellschaft zu leben. Die Familien importieren quasi ihre Stammesrechte mit nach Deutschland, wenn sie hierher ziehen. Nach ihrer Auffassung leben sie in Deutschland, einem christlich geprägten Land, in der Fremde. Sie empfinden dieses Land nicht nur als fremd, sondern auch als feindlich, dementsprechend haben sie seit Jahrzehnten versucht, ihre mitgebrachten patriarchalischen Familienstrukturen hierzulande zu konservieren und sich von der Mehrheitsgesellschaft abzuschotten.

Welt Online: Diese Familien wollen also gar nicht integriert werden?

Çileli: Nein, mehr noch: Das Leben in der Fremde führt dazu, dass die Herkunftskultur nicht nur konserviert, sondern umso frommer gelebt und ausgelegt wird, quasi als Schutz vor der Assimilierung mit der westlichen Gesellschaft. In diesen Parallelgesellschaften können sie völlig ungestört von den Deutschen die Erziehung ihrer Kinder auf ihre eigenen religiösen Werte ausrichten. Hierbei handelt es sich meiner Auffassung nach oft nicht um Erziehung, sondern um Züchtigung, da der Grundgedanke nicht auf Freiheit beruht, sondern auf Gehorsam. Schließlich droht demjenigen, der sich den Familiengeboten widersetzt, Gewalt. Kinder werden gefügig gemacht, mundtot gemacht, damit sie wie hilflose Schafe immer den Schutz ihrer Familie suchen.

Welt Online: Am meisten scheinen die Töchter unter diesen Strukturen zu leiden...

Lebt mit täglichen Drohungen: Frauenrechtlerin Serap Çileli

Çileli: Ja. Als Motiv für die Tat dient ein durch die Religion legitimierte Ehrbegriff, der Frauen zum Besitz der Familie macht. Es gibt eine ganze Reihe von Suren, die ganz klar formulieren, dass sich die Frau dem Mann unterzuordnen hat. Jetzt werden Gutmenschen sagen, entsprechende Stellen finde man auch in der Bibel. Das stimmt, allerdings hat im Christentum eine Aufklärung stattgefunden, sodass Politik und Religion getrennt sind. Diese Trennung gibt es im Islam nicht. Ehebruch wird im Koran mit Steinigung bestraft. Heute werden keine Steine geworfen, stattdessen wird zu gestochen oder geschossen.

Welt Online: Wodurch wird diese Gewalt legitimiert?

Çileli: Durch den Islam. Es gibt zahlreiche Stellen im Koran, die deutlich machen, dass Gewalt nicht nur legitimiert wird, sondern geboten wird – um „vom Glauben Abtrünnigen“ das Fürchten zu lehren.

Welt Online: Wie schätzen sie die Verbreitung der „Ehrenmord“-Problematik ein. Handelt es sich hier um Einzelfälle?

Çileli: Bei den Morden handelt es sich nicht um Einzelfälle. Laut einer Studie des BKA aus dem Jahr 2006 wurden in Deutschland vom 1. Januar 1996 bis 18. Juli 2005 insgesamt 55 solcher Morde und Mordversuche mit insgesamt 70 Opfern verübt. 48 der Opfer waren weiblich, 22 männlich. 36 Frauen und zwölf Männer kamen zu Tode. Diese Zahlen bilden lediglich die Spitze des Eisberges. Auch wenn das Thema in den letzten Jahren vermehrt auftaucht, so ist es in vielen muslimischen Familien präsent. Die Tatsache, dass erst einzelne Frauen ihr Leben opfern mussten, beweist lediglich, wie wenige Frauen sich trauen diesen Schritt zu wagen – ermutigt durch die öffentliche Debatte und durch das Auftreten selbstbewusster Mitstreiterinnen.

Welt Online: Kann der Staat Ehrenmorde verhindern?

Çileli: Der Staat ist nicht dafür ausgerüstet, die sie zu verhindern. Was er jedoch sehr wohl tun kann, ist die Ehefrauen/Töchter vor der Familie zu schützen. Hierzu gehören ein flächendeckender Ausbau an kulturspezifischer Beratung und Betreuung/Kriseneinrichtungen für Muslima, wo die Frauen Unterstützung und Rechtsbeistand finden.

Welt Online: Braucht es Ihrer Meinung nach neue Gesetzte, um diese Strukturen aufzubrechen?

Çileli: Ja, weil diese Familienoberhäupter nur eine klare, harte Linie verstehen. Fatal ist etwa, dass Zwangsverheiratung noch immer kein eigener Straftatbestand ist. Auch bin ich für die Einführung einer Kindergartenpflicht ab drei Jahren, bei dessen Verstoß Sanktionen etwa durch Kürzungen von Sozialleistungen erfolgen. Wenn man den Leuten ans Geld geht, sitzen sie ganz schnell im Integrationskurs oder in der Elternsprechstunde. Der deutsche Staat braucht eine harte Hand, um muslimischen Autoritäten deutlich zu machen, dass mitgebrachte Stammesrechte hier nicht gelten.

Welt Online: Sie greifen in ihrem Buch auch den moralischen Relativismus der deutschen Gesellschaft an. Warum tun wir uns so schwer damit, eine nüchternde Bestandsaufnahme des Integrations-Dilemmas zu ziehen?

Çileli: Die Deutschen sind feige. Sie tun sich schwer damit, Grenzen zu ziehen und für ihre eigene Identität einzustehen. Das liegt sicherlich an der leidvollen Geschichte des Landes, das sich einst einem faschistischen Diktator anschloss. Aber diese Zeiten sind vorbei. Die Deutschen müssen mutiger sein. Sie dürfen nicht den Fehler begehen, jenen gegenüber tolerant zu sein, deren größter Feind die Freiheit ist. Dann schauen sie nämlich wieder weg – und machen sich schuldig.

Quelle: Frauenrechtlerin fordert mehr Mut von Deutschen



Serap Cileli zur Islam-Konferenz     Top

Serap Cileli, die in diesem Blog schon längst keine Unbekannte mehr ist, schreibt im Bayernkurier vom 4.7.2009 über die Islamkonferenz:

Die Islamkonferenz drückt sich um entscheidende Diskussionen – Von Serap Cileli 

Es geht um die Eroberung des neutralen Raums 

Viel erwarten durfte man sich nicht von der jüngsten Auflage der Islamkonferenz. Nun aber sieht es danach aus, als ob sogar diese geringen Erwartungen untertroffen worden wären. Nichts wurde gesagt zur Gewalt in den Familien, zu Zwangsheiraten, zur eklatanten Missachtung von Rechten muslimischer Frauen auch mitten in Deutschland. Man einigte sich, wenn überhaupt, nur auf Unverbindlichkeiten. Etwa, was die Teilnahme muslimischer Schülerinnen an Schwimm- und Sportunterricht und die Sexualaufklärung in der Schule betrifft, oder zu Kopftuch oder Klassenfahrten: Die Lehrer sollten in solchen Fällen das Gespräch mit den Eltern suchen, die Befreiung vom Unterricht sei „die zweitbeste Lösung“.

Für viele muslimische Eltern ist eine derartige Befreiung, und davon war bei der Konferenz nie die Rede, die einzige Lösung. Es geht diesen Eltern ja um gar nichts anderes als um Sonderrechte und um die Eroberung des religionsneutralen Raums.

Die Illusionen, denen man sich in Deutschland hingibt, sind bei genauerer Betrachtung atemberaubend. Da die Integration unserer muslimischen Mitbürger aufgrund der Inte­grationsunwilligkeit derselben nicht funktioniert hat, versucht die Politik nun umgekehrt, die deutsche Mehrheitsgesellschaft zu integrieren.

Die Strategie des orthodoxen Islam ist es, den säkularen öffentlichen Raum zu durchweben und zu besetzen. Der Schulunterricht ist ein ideales Operationsgebiet. Da erstreitet ein deutscher Konvertit für seinen 14-jährigen Sohn das Recht, in den Räumen eines Berliner Gymnasiums seinen Gebetsteppich ausrollen und beten zu dürfen. Der kleine Einzelfall kann große Konsequenzen haben: Das betreffende Diesterweg-Gymnasium hat rund 700 Schüler, und drei von vier Schülern sind nicht deutscher Herkunft. Die größte Gruppe bilden Migrantenkinder türkischer Herkunft. Der Vorsitzende der Berliner Schulleiter, Wolfgang Harnischfeger, fragt zu Recht: „Was sollen wir tun, wenn an einer Neuköllner Schule 400 Muslime in der Pause beten wollen. Die Turnhalle räumen?“ Dabei würde eine Turnhalle nicht reichen: Aufgrund der strengen Regeln wäre ein zweiter Gebetsraum für Schülerinnen notwendig. Übrigens sind die Gebetszeiten so kategorisch gar nicht geregelt. Ein Aufschub ist erlaubt, etwa, wenn ihn die Arbeitszeiten verlangen.

Das Berliner Urteil ist nur ein Beispiel für eine allgemeine Tendenz zum Rückzug. Angeblich, um Toleranz und Verständnis gegenüber ausländischen Kulturen zu fördern, werden schon islamische Frauenbadetage in einigen Bädern angeboten, an zahlreichen Schulen in Nordrhein-Westfalen wird kein Schweinefleisch mehr serviert. Rücksicht?

Oder vorauseilender Gehorsam gegenüber einer aggressiven Ideologie, deren Anhänger christliche Mitschülerinnen und Glaubensgenossinnen, die kein Kopftuch tragen, als Huren und Schlampen beschimpfen? Die aggressiv für ihre Religion werben und ihre Art, sie auszulegen? Und die das Christentum und andere Religionen ebenso wie deren Symbole auf intoleranteste Art kritisieren?

Wie weit sich eine Weltsicht, die unverhohlen westliche Kultur und Lebensweise ablehnt, ja bekämpft, unter dem Mantel der Religionsfreiheit ausbreitet, wäre schon mal eine Überlegung wert. Diese freiwillige Unterwerfung der Mehrheitsgesellschaft unter eine unaufgeklärte Religion gefährdet auch das Leben der muslimischen Frauenrechtler und Wissenschaftler in Deutschland und verstärkt den Zwiespalt der Muslime zwischen München und Mekka.

Übrigens spielen auch Partner der Islamkonferenz wie DITIB ein doppeltes Spiel: Sie bieten via Internet Formulare an, mit denen die Befreiung vom Sportunterricht beantragt werden kann. Über die Zusammensetzung der Konferenz darf man sich ohnehin keiner Täuschung hingeben: Einige Gruppen stehen dem Islamismus nahe oder sind türkisch-staatlich gelenkt. Und auch in ihrer Gesamtheit repräsentieren die islamischen Teilnehmer der Konferenz nur einen Ausschnitt des Islam.

Aber man kann sich ja vieles schön denken und schönreden, wo man sonst in klaren Worten über das drohende Scheitern der Integration reden müsste. Man zeigt also irgendwie Toleranz und schaut, genau genommen, weg. Wie falsch verstandene Toleranz aussieht, zeigt der Fall der Ahmadiyya-Gemeinde. Sie verbietet Männern, Frauen die Hand zu schütteln, rät von einem gemeinsamen Schulweg von Schülern und Schülerinnen ab, verbietet gemeinsamen Sport- und Schwimmunterricht und gestattet dem Mann in der Ehe die Züchtigung der Frau. Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit freute sich dennoch über die Einweihung der Ahmadiyya-Moschee in Pankow und pries die Gemeinde als Werber für „religiöse und kulturelle Toleranz in unserer Stadt“. Wie blind muss man sein, um sich über solche Nachbarn auch noch zu freuen? Es gibt da Max Frischs Parabel vom Biedermann, der sich die Brandstifter selbst ins Haus holt. Professionelle Gutmenschen wie Klaus Wowereit sollten sich das Drama bei Gelegenheit nochmals anschauen.

Serap Cileli ist Autorin und Menschenrechtlerin. Zuletzt veröffentlichte sie „Eure Ehre – unser Leid: Ich kämpfe gegen Zwangsehe und Ehrenmord“, Blanvalet, 14,95 Euro. Einer unserer erster Berichte 2006 über ihre Arbeit steht hier!

Quelle: Serap Cileli zur Islam-Konferenz



Fethullah Gülen: Eine gefährliche Ideologie     Top

Fethullah GülenDie Gülen-Sekte ist umstritten. Ihre Kritiker prangern die „osmanische Empathie“ der türkischen Schulbewegung an.

Der türkische Ministerpräsident Erdogan (AKP) [1] fordert massiv türkische Schulen in Deutschland. Was er damit meinen könnte, zeigt ein Blick auf die undurchsichtige Bewegung des türkischen Islamisten Fethullah Gülen (Bild), die in Deutschland mehrere türkische Schulen unterhält. Kritiker fürchten, dort werde die türkisch-islamistische Elite von morgen herangezogen. Wolfram Göll befragte dazu die Menschenrechtlerin Serap Cileli.
[1] Die AKP (Adalet ve Kalkınma Partisi, AK Parti, Deutsch: Partei für Gerechtigkeit und Aufschwung) ist die Partei des türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan. Die AKP bildet derzeit mit 337 Abgeordneten die stärkste Fraktion im türkischen Parlament und hat die absolute Mehrheit der Sitze inne. Die AKP hat große Sympathien für die radikal-islamische und autoritäre Milli-Görüs-Bewegung des ehemaligen türkischen Ministerpräsidenten Necmettin Erbakans, gegen die mittlerweile in Deutschland wegen Betrug, Geldwäsche und Bildung einer kriminellen Vereinigung ermittelt wird. (siehe auch: Razzia im Morgengrauen)
Bayernkurier: Wie müssen wir uns das Imperium und die Strategie von Gülen vorstellen?

Serap Cileli: „Unser großer Dschihad ist die Bildung“, lautet Fethullah Gülens Botschaft. Er gibt sich gern als besonnener, harmoniebedürftiger Geistlicher. Seine Anhänger nennen ihn Hodscha-Efendi. Allein in der Türkei sollen ihm sechs Millionen Menschen folgen. Die heute extrem einflussreiche Gülen-Bewegung wurde in den 1970er Jahren gegründet und gründete zahlreiche Schulen, Universitäten, Sozialeinrichtungen, Studentenheime, Kulturzentren oder Wirtschaftsunternehmen in mehr als 50 Ländern, auch in Deutschland. Eng verbunden damit ist die Nurcu-Bruderschaft. Außerdem gehören dazu zahlreiche Medien, allein in der Türkei über 20 Radiostationen, dazu TV-Sender und Zeitungen. Der Wert des Gülen-Imperiums wird auf 26 Milliarden Dollar geschätzt.

Bayernkurier: Wie können wir ihn ideologisch einordnen? Gehört er zur türkisch-islamistischen Richtung der AKP?

Cileli: Die Gülen-Gemeinde unterstützt die islamisch-konservative Regierungspartei AKP. Sowohl die AKP-Oligarchie (Herrschaft einer Minderheit) als auch die Gülen-Sekte haben eine Empathie (Sympathie) für die osmanische Ideologie. In Gülen-Schulen in der Türkei wie im Ausland wird weltweit die türkisch-islamische Synthese verbreitet und gelehrt. Der türkische Staatspräsident Gül lobt die Aktivitäten der Gemeinde Gülens und hält Reden zur Eröffnung der Gülen-Schulen, aktuell in Bangladesch. Zu Recht wurden jedoch in Russland oder in Usbekistan die Gülen-Schulen geschlossen und alle Aktivitäten der Nurcu-Bruderschaft verboten. Das staatliche usbekische Fernsehen beschuldigte die Gülen-Sekte sogar, durch die Verbreitung pantürkischer [2] Propaganda die usbekische Kultur zu zerstören.
[2] Als Pan-Bewegungen oder Pan-Nationalismus werden bestimmte nationalistische oder religiöse Ideologien bezeichnet, die anstreben, alle Angehörigen einer bestimmten Ethnie oder Sprachgruppe in einem Staat zu vereinigen. Häufig postulierten Vertreter der jeweiligen Pan-Bewegungen den göttlichen Ursprung oder eine göttliche Mission der jeweiligen Ethnien. Die deutsche Philosophin Hannah Arendt (1906-1975) bezeichnet die Panbewegungen als besonders aggressive Formen des völkischen Nationalismus.
Bayernkurier: Welche Ziele verfolgt Gülen?

Cileli: Gülen lebt seit mehreren Jahren im selbstgewählten Exil in den USA und wird streng vom FBI bewacht. 1996/97 leitete die türkische Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren gegen ihn ein. Es hieß, Gülen beabsichtige die Beseitigung der demokratisch-laizistischen Türkei (Laizismus bedeutet die Trennung von Religion und Politik) und strebe die Errichtung eines theokratischen Staates auf religiöser Grundlage an (Scharia). Und genau diesen Aspekt dürfen wir nicht aus dem Auge verlieren, auch wenn Gülen im Westen als jemand gilt, der islamische Lehren mit liberalen Ideen verbindet und den interreligiösen Dialog propagiert, als „gemäßigter Islamist“ mit seinen tränenreichen „Toleranz- und Friedensbotschaften“. Der Schein trügt. Die Gülen-Bewegung ist eine Glaubensgemeinschaft mit missionarischen Zwecken.

Bayernkurier: Wie aktiv ist die Bewegung in Deutschland?

Cileli: Es gibt rund 150 Nachhilfe-Institute und zwölf Schulen in Deutschland, die der Gülen-Gemeinde angehören oder ihr nahe stehen. Demnächst soll im schwäbischen Jettingen-Scheppach die erste Gülen-Schule mit Internat erbaut werden.

Bayernkurier: Warum ist die Gülen-Bewegung Ihrer Kenntnis nach eine Gefahr?

Cileli: Selbst der kemalistischen Elite der Türkei ist die Gülen-Gemeinde ein Dorn im Auge. Ein Wolf im Schafspelz. Kurz nach Gründung der türkischen Republik 1925 wurden die Tarikats, Bruderschaften oder Orden, verboten. Alle Orden halten an dem Leben nach den Regeln der Scharia fest, das religiöse Gesetz, das auf dem Koran basiert und unbedingt zu befolgen ist. Die Nurcu-Bruderschaft geht dieses Ziel langfristig an und kontrolliert mittlerweile in staatlichen türkischen Institutionen Schlüsselpositionen.

Bayernkurier: In Dialogforen, wie kürzlich in Nymphenburg, präsentieren sich die Gülen-Leute immer als Brückenbauer zwischen Islam und dem Westen. Gehen die Deutschen damit einer Täuschung auf den Leim?

Cileli: Gleichgültigkeit und Unwissenheit der Deutschen über die Gülen-Bewegung werden zu fatalen Folgen führen. Die Organisation ist sehr verschachtelt. Es ist sehr wichtig, sich mit ihr gründlich zu beschäftigen und die Ziele des Netzwerks nicht zu unterschätzen. Wir wissen nicht genau, was in den Bildungszentren passiert, das ist eine verschlossene Welt. Inwiefern die Behauptungen über Gülen der Wahrheit entsprechen, bleibt in absehbarer Zeit im Verborgenen. Belastbare Erkenntnisse über Gülen-Schulen liegen laut Verfassungsschutz nicht vor.

Serap Cileli, geboren am 29. Januar 1966 in Mersin in der Türkei, ist eine deutsche Buchautorin und Menschenrechtlerin türkisch-alevitischer Abstammung.

Die Anmerkungen [1] und [2] sind vom Blogbetreiber.

Weitere Texte zu Fethullah Gülen sind hier.

Quelle: Fetullah Gülen: Türkischer Schulgründer mit gefährlicher Ideologie

Serap Cileli: Das hässliche Gesicht der „Religion des Friedens“     Top

Deutschland muss seinen Humanismus entschieden verteidigen, auch und gerade gegen den Islam. Gastkommentar von Serap Cileli

Muslime sind Opfer. Zumindest lieben es die muslimischen Verbände und Funktionäre, diese Rolle breit und laut in der Öffentlichkeit zu inszenieren. Latenter Rassismus, strukturelle Diskriminierung, Sarrazin, AfD und Islamophobie sind gerne verwendete Kampfbegriffe, um ihr Opferdasein medial und politisch wirksam auszuschlachten.

Doch es wird seltsam ruhig um eben diese muslimischen Verbände und Funktionäre, wenn wir uns die jüngsten antisemitischen Ausschreitungen in fast allen großen deutschen Städten anschauen. Jüdische Mitbürger werden auf offener Straße attackiert, Synagogen mit Steinen beworfen und mit Pamphleten beschmiert. Wo ist der humanistische und friedliche Aufschrei der muslimischen Verbände? Wo ist ihre Solidarität, die sie selbst oft allzu gerne einfordern?

Das Schweigen gehört zum System. Die Juden und Israel sind das Lieblingsfeindbild einer großen muslimischen Masse. Ihr Antisemitismus ist ein Lebensgefühl, eine Ideologie und das Ziel für ihren Hass und ihre Wut, das Sinnbild für all das Leid in der muslimischen Welt. Sie brauchen den Schmerz, denn es ist ein Teil der muslimisch-arabischen Kultur das Leid ins Extreme zu verkehren und dramatisch, bis hin zur Selbstzerstörung, zu leben.

Sie brauchen einen Schuldigen für die Ausgrenzungen im Westen, und um ihre vermeintliche kulturelle, materielle und intellektuelle Unterlegenheit zu kompensieren. Ein gemeinsames Feindbild schweißt zusammen, halbiert das persönliche Leid, und es ist ein dienliches und höchst effektives Mittel, um Massen für bestimmte Interessen zu mobilisieren, besonders für muslimische Funktionäre.

Deutschland muss Zivilcourage zeigen! Wir dürfen extremistischem Hass keinen Raum geben. Es ist die Pflicht eines jeden liberalen Humanisten in Deutschland, auch einer muslimischen Radikalisierung couragiert die Stirn zu bieten. Das machen wir doch auch so selbstverständlich, wenn es um den „biodeutschen Rassismus“ geht. Eine konsequente Hand der Politik ist längst überfällig!

Jahrelang waren viele Politiker zu blauäugig und zu optimistisch. Sie sind stets davon ausgegangen, dass sich die Migranten spätestens in der zweiten Generation automatisch integrieren werden. Sie würden vom Gastarbeiter zum Bürger. Sie sind davon ausgegangen, dass die Differenzen zur einheimischen Gesellschaft in der Generationenfolge immer geringer werden würden.

Falsch gedacht! Denn Deutschland sitzt heute auf einem riesigen Pulverfass, das jederzeit in die Luft fliegen kann. Erst vor vier Jahren erforschte das Kriminologische Forschungsinstitut Niedersachsen die Gewaltbereitschaft unter Jugendlichen in Abhängigkeit von ihrer Konfession. Das Ergebnis: Jugendliche aus muslimischen Zuwandererfamilien sind deutlich gewaltbereiter als Migranten aller anderen Konfessionen. Und welche Konsequenzen ziehen wir daraus? Keine!

Wir müssen gemeinsam gegen jegliche Formen von Menschenfeindlichkeit ankämpfen. Wir dürfen nicht unsere Objektivität verlieren, sobald der Rassismus keinen deutschen Namen trägt. Auch ein Muslim kann ein Rassist sein und gehört dafür sanktioniert [1]. Bleiben Sie kritisch! Bleiben Sie fair!
[1] Serap Cileli hat über die deutschen und türkischen Rassisten [NPD und Graue Wölfe] auch einen Artikel geschrieben:

Serap Cileli: Deutschland, deine Rassisten
Die Schriftstellerin und Menschenrechts-Aktivistin Serap Cileli stammt aus der Türkei. Sie wurde mit 15 Jahren zwangsverheiratet, floh aber. Sie gründete den Verein „peri“, der Mädchen hilft, die von Ehrenmord bedroht sind. 2005 war sie eine der jüngsten Trägerinnen des Bundesverdienstkreuzes.

www.serap-cileli.de

Quelle: Serap Cileli: Das hässliche Gesicht der „Religion des Friedens“



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